Die Strecke von Waialúa durch das breite Thal gleichen Namens ist eine ebene, meist weglose, recht wilde Weidestrecke zu nennen und ist fast vollständig unbebaut.
Die Sicht der Gebirge von beiden Seiten ist pittoresk, namentlich die der „Waiánae“-Kette rechts, die auffallend üppig bewachsen ist und aus deren sehr gedrängter Masse der circa 4060′ hohe Kaála unter strotzender Vegetation sich erhebt.
Die Vegetation dieser Gebirgsmasse bildet stellenweise ein üppiges Durcheinander von Mimosen, Orangen, Kaffeestauden, „Thy“-Gewächsen, wilden Bananen, Pandanen, Farnen, hohem Schilf, struppigem, hohem Gras, krüppeligen Sandelbäumen u. s. w., durchflochten mit den verschiedensten Schlingpflanzen und Wurzeltrieben, und giebt selbiges dem Bilde den echten Charakter einer subtropischen Vegetation. Dieses ist aber, wie gesagt, nur stellenweise und kurzweilig, da auch hier die gewinnsüchtige Hand des Menschen verwüstend gehaust hat.
Die Viehheerden, die zahlreich in Sicht, kommen einem nach dem schönen Vieh des Mr. Judd kümmerlich vor. Viele Ziegen und zwar wohlgenährte, erscheinen hier und da. Höchst auffallend ist auch hier die Stille der Natur. Die Vögel und Thiere des Waldes scheinen sich zur wasserreicheren Küste des Gebirges zu verziehen.
Bei Waïpio, wo der früher erwähnte Strandweg sich mit dem des Thales vereinigt und den Schluss des Thales bildet, liegen die Ländereien des Mr. John J-i, dem Sprössling einer alten Häuptlingsfamilie.
Rechts vom Wege sind die sogenannten „Perl-Lochs“; es sind Lagunen, die eigentlich eine seichte Korallen-Bucht des Oceans bilden, sehr fischreich sind und, wie man sagt, in früherer Zeit in ihren Vertiefungen reichhaltige Austernbänke gehabt haben sollen, was sich klar durch die zahlreichen Muscheln derselben an den Bänken beweist. Die Auster soll ganz plötzlich von den Inseln des Reiches verschwunden sein und an Stelle deren sich eine giftige Auster gezeigt haben. Die Ursache ihres Verschwindens muss aller Wahrscheinlichkeit nach eine vulkanische gewesen sein.
Das Gras der Umgebung wird allmählig auffallend saftloser und härter, — die saftigen feinen Gräser schwinden und „Pili“-Gras, Cactus-Gewächse, Disteln und Dracenen herrschen auf der Fläche.
Von hier beginnt allmählig zunehmend das Felsen-, Stein- und Lavageröll der „Ewa“-Fläche, die übrigens nichts weniger als unfruchtbar ist, da genügende Alluviale- und Schlamm-Anschwemmungen vorhanden sind und auf der bei genügender Süsswasserbewässerung, die ihr leider fehlt, die üppigste Vegetation entwickelt werden könnte, während für den Augenblick sie nur eine wilde, todte Umgebung entfaltet, in der nur hin und wieder in den kleinen Niederungen der Fläche üppiger „tarro“, Reis und Fischteiche sich zeigen.
Sechseinhalb Meilen vor Honolulu liegt „Puúloa“, die mit Viehzucht und einer Reisplantage verbundenen Salzdestillationswerke des Mr. J. Dowcett, der hier ein Areal von circa 25,000 Acker besitzt.
Kurz vor Honolulu liegt links das Asyl für Geisteskranke und die Verbesserungsschule, rechts das Gefängniss, die Quarantaine, die Schildkrötenteiche und der glänzende Ocean, und vor mir lag, durch die glänzend untergehende Sonne herrlich beleuchtet, das an schattigen Gärten so reiche Honolulu, gleich einer Gartenstadt, und die Brücke des „Panóa“-Baches überschreitend, durchzog ich die geschäftsvolle „Kings-street“ bei abendlicher Lebhaftigkeit ihrer Bevölkerung und war bald in meiner Behausung, Ecke der „Queen- und Richard-street.“