Es war schon lange her, daß er im Vielerlei der Geräusche und Bewegungen den Bahnhof verlassen hatte. Seine Aufregung hatte die Blicke der Zurückbleibenden auf sich gelenkt. Doch ohne Eile und mit aller Kraft hatte er sie mit sich gezogen, bis sie den Körper dem Zuge nachbogen und sogar Tränen aus ihren Augen traten. Die Blicke waren pfeilgleich, wie lange Fäden aus gespanntem Bogen, durch die Luft gefolgt, bis sie einer nach dem anderen zerrissen.
Ein wenig später hatte das Lokomotivenungeheuer, fröhlich pfeifend, die offenen Felder erreicht.
Die Reisenden drängten die schon ferne Traurigkeit der Abfahrt in ihr Gedächtnis zurück und musterten sich gegenseitig. Irgendwelche Betrachtungen, Dank und Entschuldigung wechselnd, streckten sie ihre Worte wie Hände einander entgegen. Die Reisenden, die noch eine weite Fahrt vor sich hatten und die ganze Nacht im Abteil verbringen mußten, nisteten sich sorgsam ein, standen auf, öffneten Taschen und veränderten unaufhörlich ihre Lage.
Die Gespräche waren rasch verflattert, hatten sich schließlich auf zwei oder drei Reisende beschränkt, einige Worte waren noch durch die Tür entflogen, dann war nichts mehr hörbar, als das Hineilen des Zuges, Pfeifen, der Lärm der Räder, des Puffers, der Achsen und Bremsen.
Männer und Frauen schlummerten in der drückenden Schwüle des Abteils.
Er war es, der seine Worte sparte und seine ganze Aufmerksamkeit der Landschaft zuwandte, wie sie ihm der dahineilende, in den Stationen nur atemholende Zug aufrollte.
Der Strahl des Sonnenunterganges veränderte alle Dinge, als sein Auge wieder die kleine Haltestelle wahrnahm, die in der Landschaft verloren dalag. Gewöhnlich kam man nicht mit diesem Zuge, man zog den rascheren Abendzug vor.
Niemand außer ihm stieg aus, niemand stieg ein. Aus den Türen beugten sich neugierig einige Köpfe vor, wenige Schritte weit trug er noch die Erinnerung der Gesichter mit, denen sein Blick begegnet war.
Keinerlei Gefährt wartete am Ausgang. So hatte er denn eine gute Wegstunde vor sich. Er schloß die Augen und sog diese reine Luft ein, die ihm nun wiedergegeben war. „Vorwärts also!“ Er machte sich auf den Weg.
Die letzte Abendröte des Himmels kämpfte gegen große Massen violetten Dunkels. Ein rosiges, hinsterbendes Licht färbte die Straßen, die Wiesen, die aufgepflügten Äcker und die abgemähten Felder. Die Landstraße ging bergab, bergan.