Trotzdem bemühte er sich, diesen Gedanken zurückzudrängen. Er suchte ihn zu ersticken, ihm zu entfliehen, aber jedes Wort, das er sagte, brachte ihn unwillkürlich näher. Er fühlte den Gedanken schwer und lastend werden in seinem unbeweglichen Körper. Um ihn an diesen Ort zu binden, fiel er unaufhaltsam langsam abwärts, wie der gewichtige Anker ins Meer hinabsinkt.
Er sagte:
— „Ich habe schon an viele Dinge geglaubt und entsinne mich manchen Irrtums. Bin ich dessen wahrhaftig sicher, anderswo den wahren Weg zu finden? Kann man etwas vorausbestimmen, und soll man sich nur von der Vernunft leiten lassen?“
Er zitterte, während er sprach. Niemals war sie ihm so schön, seiner Liebe so würdig erschienen.
— „Ich gehe . . . Wohin aber? . . . Ich weiß es nicht und habe nicht mehr die geringste Sehnsucht darnach.“
Seine Stimme senkte sich nach diesen letzten Worten. Alles war nun gesagt. Eine wollüstige Müdigkeit bemächtigte sich seines Körpers und Geistes.
. . . Zwei Wesen, so lange beflissen sich zu kennen, sich zu verschmelzen, konnten sie daran denken einander zu fliehen, da das Unermeßliche und unbekannte All sie in einem gemeinsamen Bedürfnis, sich gegen die öde Verlassenheit zu verteidigen, zueinander drängte?
„Du bist der Meister unserer beiden Schicksale. Ich bin nur das Echo deiner selbst, ich bin deine Sache. Bestimme denn.“
Sie legte ihren Arm um seinen Hals und lehnte ihr kühles Antlitz gegen das seine.
Er verleugnete alles, was ihn vordem begeistert hatte. Fortgehen sollte er? Das Liebste, was er hatte, verlassen und sich ärmer denn je wiederfinden! Die Welt durchwandern, Erinnerungen häufen, als ob er nicht schon genug mit sich schleppte! Er spottete der großen Arbeiten, der Eroberungen, des Ruhmes. Es gab genug Werke zur Befriedigung der Menschen. Und konnte er nicht überdies neben ihr im glücklichen Frieden ihres Daseins seine Seele besser als irgendwo von dem befreien, was ihn bewegte, Tag für Tag ein unvergleichliches Werk verrichtend? Aber von dem allem abgesehen, wog nichts die höchste menschliche Freude auf, nur in ihr zu verharren. Die ersten Pflichten, waren es nicht die gegen sich selbst und dann gegen die, die ein Teil seines Selbst ausmachte, da ihr Schicksal an das seinige gebunden war. Er würde bleiben.