O keusche Freundin, wie bist du schön in dieser Nacht! Wie konnte ich daran denken, dich zu fliehen. Seite an Seite werden wir bis zum letzten Tag verbleiben, wir werden auf unserem Antlitz diese Erleuchtung tragen, die der Tod nicht auslöschen wird. Ich werde dich an der Hand nehmen und mit dir die Welt durchlaufen. Wir werden dieselben Seltsamkeiten erleben, und dieselben Eindrücke sollen uns bewegen. Unter fremden Rassen werden wir uns noch enger aneinander geschlossen fühlen. Der nächste Winter wird mit dir verbracht sein und das Frühjahr und all die kommenden Jahre.
Die Sterne erloschen allmählich. Die wieder erweckten Dinge trugen die Farbe des Traumes und des Todes. Sie hielten sich umschlungen und sahen den Tag herandämmern. Sie war beglückt, aber in ihm blieb ein leiser Geschmack von Niederlage bestehen. Er hatte diesen großen Schrei, der alle Entschlüsse umwirft, nicht erlebt. Er selbst hatte es nicht verstanden, dieses Wunder heraufzubeschwören.
So hatte er denn seine Ansprüche vermindern und schüchtern um ein Almosen betteln müssen. Alle Kosten des Festes hatte er getragen; er scheuchte diese Gedanken und wiegte sie in zärtliche Worte ein, um sie zu betäuben. In dieser Schwäche, wie sie ihn zuweilen befiel, sprach er, über sie gebeugt, unaufhörlich weiter. Sie lächelte und hob von Zeit zu Zeit ihre Augen zu ihm auf. Seine Stimme wurde leiser. Ein Kamm entfiel ihr, als ihr Kopf sich ein wenig mehr neigte. Da verstand er, daß sie eingeschlafen war. Ein langsamer, regelmäßiger Atem hob ihre Brust.
Er betrachtete sie wie eine Unbekannte.
War es wirklich diese hier, gab es nicht anderswo eine Vollkommenere, eine andere, die ihm diesen unschätzbaren Beweis gegeben hätte.
Die Morgenröte stieg herauf. Ein rosiges Leuchten durchzog die Höhen des Himmels. Ganz nahe blies die Sirene eines Schiffes.
Der Name des Kontinents, den er zu bereisen sich vorgenommen hatte, brannte in seiner Stirn. Eine Stadt, die in der Glut des Juli brodelte, erfüllte sein inneres Auge. Mit allergrößter Vorsicht und Sorgfalt verließ er seine süße Bürde; sie schlief immer noch. Er lehnte sie an den Baum, der hinter der Bank stand, und erhob sich langsam ohne Geräusch. Er setzte einen Fuß vor, dann den andern. Leise streckte er das Bein, machte einen Schritt. Um seine Arme legten sich Stricke. Sein ganzer Körper bebte. Eine Schwere wollte ihn unbeweglich machen, aber eine unbesiegbare Kraft stieß ihn nach vorwärts. Wie ein Blinder streckte er die Hände vor sich aus.
Jede seiner Bewegungen war ein Losreißen, seine Füße hatten starken Widerstand niederzudrücken, als ob er durch Wasser ginge . . . der Atem ging ihm aus. Ein belaubter Ast streifte ihn; er blieb stehen und ging dann wieder, so kam er durch die ganze Allee, dann durch eine nächste und schließlich schon mit festem Schritt durch eine dritte. Er öffnete das Gitter, das schrecklich kreischte, begab sich auf die Straße und begann, die Hände fest an die Ohren gepreßt, damit er nichts höre, zu laufen, um das Schiff nicht zu versäumen, das bald abfahren sollte.