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Am Rande des Dorfes, fast schon am Eingang des Waldes, liegt eine kleine Herberge mit braun geziegeltem Dache, wo man zu Fuß oder zu Pferd absteigt. Sie ist fast nur von den Fuhrleuten der Ostgegend besucht. Während der Woche ist selten jemand im großen Saale, denn die Stammgäste essen im Schankzimmer, wo es mehr Leben und Heiterkeit gibt.

Er hatte in diesem Saal gefrühstückt und schien nicht mehr weggehen zu können. Er blieb da vor seiner geleerten Kaffeetasse in seine Gedanken vertieft. Auf dem Wachstuch des Tisches sammelte er sorgfältig Brotkrümchen zu Formen und Buchstaben, zerstreute sie dann mit dem Finger und begann dieses kindliche Spiel von neuem. Er hob den Kopf. Seine Blicke liefen über die Fläche der Mauer, senkten sich aber rasch wieder, denn er kannte schon alles, was dort hing. In einer Ecke des Raumes lagen auf einer Nähmaschine einige Zeitungen. Er stand auf, nahm eine, dann eine andere und legte sie zurück, kaum bemerkte er, daß sie ein altes Datum trugen.

Schließlich verlangte er die Rechnung, zahlte und ging fort.

Bei schönstem Sonnenschein hatte er die Herberge betreten. Nun war der Himmel mit Wolken bedeckt. Alles hatte seine Farben verändert. Ein Unbehagen lastete auf der Landschaft. Er schlug den Weg zum Wald ein. Über kleine Pfade ging er, drang ins Dickicht, wo die Blätter des vergangenen Herbstes faulten, umging kleine Teiche, fand Pfade wieder, als ihm plötzlich der Weg durch einen Fluß gesperrt war. Er sah klares Wasser fließen und ging weiter seinem Lauf entlang.

„Ich werde ihnen sagen, daß ich krank gewesen bin.“

Er war gewiß der einzige Spaziergänger in diesen öden Wäldern und fühlte sich von Einsamkeit und Stille bewegt. Mit vollen Zügen atmete er den Waldesduft und freute sich an dem Geräusch seiner Schritte, die trockene Blätter aufrauschen machten und Zweige zerknackten. Das Wasser wurde bald dunkler, da der Fluß hier schon viel tiefer war.

„Wenn ich es wollte, wäre es bald vorüber.“

Ein Teppich frischen Grases breitete sich vor ihm aus, er setzte sich. Bäume wölbten sich über seinem Haupte, und Äste streiften die Wellen. Ein irdisches Geheimnis schien an diesem Orte zu wohnen. Hier war das Leben nicht eine Folge verschiedener Zustände, die Dinge schienen in Unbeweglichkeit versteinert, die sich bis ins Unendliche dehnte. Allerdings empfand er, seitdem er seine Wohnung verlassen hatte, sein Leben gleichsam zurückgedrängt und von Träumen niedergehalten. Die Luft war milde und ohne jegliche Regung, der Himmel grau. Alle Bewegungen waren von einer gewissen Müde erfaßt. Die Menschen, denen er begegnete, zeigten düstere und resignierte Gesichter; keinerlei Schwung, keinerlei Plötzlichkeit war in ihren Gesten. Das war wirklich so ein Tag, wo alles sinnlos wird und die Zuversicht so tief gesunken ist, daß niemand mehr an seinen Beruf glaubt. Das Leben scheint an seine Grenze gelangt und nur aus Gewohnheit fortzudauern.

Der Montag allerdings ist ein trauriger Tag. Er ist wie die Bahre, auf die man den Leichnam des schönen Sonntags hinbettet. Er ist der erste der sechs Tage, die man Stunde für Stunde hinzubringen hat, der sechs Stahlblocke, die man mit der Feile in Staub verwandeln soll. Endlos sind die Minuten, aus denen er sich zusammensetzt. All jenen, die für andere arbeiten, ist der Montag ein Tag, an dem Freude fast ausgeschlossen. Selbst freie Menschen können sich diesem Eindruck nicht entziehen.