Er lag auf dem Rücken ausgestreckt und sah durch das Blätterwerk die lässigen Wolken vorüberziehen. Um ihn war ein großer Kreis von Stille, dessen Grenzen von Zeit zu Zeit durch entfernten Lärm getrübt wurden. Frische hüllte ihn ein, und der schwere Duft des Humus berauschte ihn.

„Seltsam. Seltsam. Ich bin doch so oft Sonntags spazieren gewesen, ohne diese Wirkung zu verspüren. Ich glaube, ich bin ein anderer Mensch geworden. Bei Gott, ich weiß warum. Der Sonntag ist ein Tag unbestimmter Freiheit und ohne besondere Köstlichkeit. Ein öffentliches Glück. Ich gehe noch weiter: der Sonntag ist nichts weiter als eine dicke Allerweltsdirne. Ein Vergnügen, das jedermann zugänglich ist, hat mich immer abgestoßen. An einem Wochentag spazierenzugehen, während die anderen Sklaven an der Arbeit sind, dies allein ist ein Zeichen der wahren Freiheit, der Freiheit des Luxus, der Freiheit des Reichen, des selbständigen Menschen.“

Aber man ist nicht ungestraft während fünfzehn Jahren ein pünktlicher und untergebener Beamter gewesen. Und ohne daß er es wußte, begann ein Vorwurf sich in ihm zu rühren. Er hatte einen Gewaltstreich gemacht, den er ohne Zweifel zu bereuen haben würde. Gerade an diesem Tag erwartete ihn heikle Arbeit in seinem Bureau, eine Arbeit, die niemand so gut verrichten konnte als er.

„Und das Aktenstück Dumas“, rief er aus, und schnellte auf. „Mein Gott! Sie werden sicher vergessen, es abzusenden. Das wird eine schöne Geschichte geben. Ich hätte vielleicht meinen Streich auf morgen verschieben sollen. Dumm, daß ich nicht daran gedacht habe. Dieses leidige Schriftstück wird mir meinen Tag verderben.“

Da ließ sich weiter nichts mehr tun. Diese Dummheit war nicht mehr gutzumachen.

„Na, und wenn schon, ich wette, sie werden einen Ausweg finden. Schade darum. Warum denn schade? Ich scher mich nicht darum. Ich scher mich einen Schmarren darum.“

Er fühlte sein wohl bestelltes Portemonnaie in der Tasche und hatte den Einfall, sich irgendwo, einerlei wo, ein wenig zu amüsieren. Er trat aus dem Walde, überquerte den Fluß und ging an seinem Ufer hin. Eine unglaubliche Anzahl von Anglern sah er dort und eine noch viel größere Zahl müßiger Zuschauer, die längs der Böschungen im Grase lagen und aufmerksamen Auges die von der Strömung mitgeführten Schwimmer an den Angelschnuren verfolgten. All diese Leute arbeiteten gleich ihm nicht und widmeten sich nur ihrem Lieblingsvergnügen. Er hatte niemals gedacht, daß es deren so viele gab.

„Der Montag ist also doch nicht für jedermann ein trauriger Tag, es ist so wie in allem und jedem, es gibt auch hier Ausnahmen. Ich bin bis heute immer ein richtiger Idiot gewesen.“