[10]quae a Deo creari debent ut existant.“ Die Kirchmann'sche Übersetzung: „welche von Gott zum Dasein geschaffen werden sollen,“ scheint mir keinen rechten Sinn zu geben.

[11]in genere sumptum.“

[12] Descartes unterscheidet den Körper seiner Substanz und seinen besonderen Eigenschaften nach. Erstere ist unveränderlich, unvergänglich, letztere ist veränderlich und vergänglich. Als Substanz ist auch unser Leib unvergänglich. Seiner besonderen Form und Zusammensetzung nach aber, die ihn eben als „Leib“ charakterisiert, ist er veränderlich und vergänglich. Die Seele dagegen, als einfaches Wesen, ist sowohl ihrer Materie wie ihrer Form nach unvergänglich. Seele und Körper im Gegensatz zum Leibe wären etwa zu bezeichnen als „primäre Individuen“, „Individuen niederer Ordnung“, während der Leib als solcher ein „Individuum höherer Ordnung“ zu nennen wäre. (Vgl. über die Ordnungen der Individualität meinen „Grundriß der Philosophie als Bestimmungslehre“ Seite 111 ff.)

[13] Vgl. Schluß der Vorrede Descartes'.

[14] Die Bedeutung der Worte: Die Idee (oder Vorstellung) hat „objektive Realität“, wird in der französischen Ausgabe näher erläutert durch den Zusatz: „d. h. sie nimmt gleichsam symbolisch (auf vorgestellte Weise „par représentation“) teil an den Graden des Seins und der Vollkommenheit.“ Im Anhang zu den Antworten auf die zweite Reihe von Einwänden („Rationes …“) definiert Descartes: „Unter der objektiven Realität einer Vorstellung verstehe ich das Wesen oder Sein des vorgestellten Gegenstandes, inwiefern es in der Vorstellung ist. … Alles was wir in den Gegenständen der Vorstellung wahrnehmen, ist in der Vorstellung selbst enthalten, und zwar objektiv, symbolisch („par représentation)“. Man könnte vielleicht objectivus hier mit „vergegenständlicht“, vielfach geradezu mit „vorgestellt“ wiedergeben. Klare Rechenschaft über das Verhältnis von objektiver Realität zur Realität der Idee selbst und zur Realität des Gegenstandes hat sich Descartes nicht gegeben, was um so bedeutungsvoller ist, als der Gottesbeweis, den Descartes in der dritten Betrachtung liefert, sich auf dieses Verhältnis gründet!

[15]objectivum“.

[16] Descartes nennt es stets „lumen naturale“, das „natürliche Licht“. Es steht im Gegensatz zur bloßen Erfahrung und zur Offenbarung, denen die Gebiete des praktischen Lebens und des Glaubens entsprechen, die Descartes hier und an anderen Stellen ausdrücklich von seiner Betrachtung ausschließt.

[17] „Abzuweisen“ – nicht aber gänzlich zu „verwerfen“, wie Kirchmann übersetzt; es handelt sich nur um ein „Nichtalsgewißannehmen“. Das ganz Sichere und Gewisse ist es, das Descartes sucht, indem er alles, was nicht ganz sicher ist, aus der Betrachtung ausscheidet, ohne es deshalb ein für allemal zu verwerfen. Hierin besteht eben die Eigenartigkeit der Descartes'schen Methode, die Wahrheit zu finden.

[18]Contumax vapor ex atra bile“, „der hartnäckige Dunst aus der schwarzen Galle“. Die schwarze Galle, μέλαινα χολή wurde bekanntlich früher als Ursache des „melancholischen“ Temperaments und gewisser Formen des Wahnsinns angesehen.

[19] Die französische Ausgabe sagt: … „und daß ich nichtsdestoweniger die Vorstellungen aller dieser Dinge habe und daß mir alles genau so da zu sein scheint, wie ich es sehe.“