Je älter es wurde, umso bekümmerter wurde es, weil es immerfort drüber nachdachte, was es wohl mit sich anstellen solle, um einmal recht lustig lachen zu können. Besonders wenn es frühmorgens hörte, wie der ganze Urwald vom Gelächter der Affen und Papageien zu schallen begann, stierte es eifrig aus seiner Höhle nach den Zweigen hinauf in den blauen Himmel, als müsse ihm dorther die Erleuchtung kommen. Aber so sehr ihm der Himmel auch in die Augen lachte: jedesmal wenn es meinte, nun werde das Herz ihm vor Freude schwellen, und lustig ins Grüne hinausrennen wollte, dann konnte das langsame Krötenherz mit dem raschen Löwengehirn nicht mit, und der ganze Tag war ihm verleidet.

Endlich fragte die Löwenkröte einen alten Papageien um Rat, der klüger als die andern zu sein schien und nur in seltenen Fällen lachte, dann freilich umso kräftiger. Weil sie sich aber nicht verraten wollte, da sie befürchtete ausgelacht zu werden, stellte sie ihre Frage so: Wie kommt es denn, daß du so selten lachst? und warum lachst du dann so kräftig?

Weiß nicht! krächzte der Papagei; frag mal das heilige Kameel! Und dann lachte er wie besessen.

Daraus merkte die Löwenkröte, daß der alte Papagei närrisch war. Denn von dem heiligen Kameel war allgemein im Urwald bekannt, daß es nicht im geringsten lachen konnte, nicht einmal lächeln; und lächeln konnte die Löwenkröte, wenn auch nur ziemlich mühsam. Bei näherer Überlegung bedachte sie aber, daß die Narren mitunter gescheitere Einfälle haben, als sie selber in ihrer Narrheit wissen. Vielleicht verstand sich das heilige Kameel im stillen wirklich sehr gut aufs Lachen und hatte sich’s nur abgewöhnt aus irgend einem triftigen Grunde. Also begab sie sich auf den Weg nach dem Tempel, wo das Kameel sich verehren ließ.

Das heilige Tier erschrak nicht wenig, als es das fremde Untier erblickte. Dann jedoch witterte es wohl, daß sich das bunte Riesenvieh in freundlicher Absicht näherte, dachte wohl auch an das schützende Gittertor, steckte daher den Kopf heraus und fragte von oben herab feierlich: Was wünschen Sie?

Die Löwenkröte, da sie nicht zu befürchten brauchte, von dieser ernsten Person belächelt zu werden, erwiderte treuherzig: Ich möchte gern wissen, Euer Hochehrwürden, wie ich wohl lachen lernen kann.

Das heilige Kameel, das wohl nicht recht gehört zu haben glaubte, oder nicht wußte, ob es die Frage ernst nehmen sollte, steckte den Kopf noch ein bißchen weiter heraus und fragte noch feierlicher: Wie meinen Sie?

Da brüllte die Löwenkröte: lachen! ich will lachen lernen, Ehrwürden! Und nun zog das Kameel rasch den Kopf zurück; denn nun wußte es, daß es ernst gemeint war.

Es besah sich durch die Gitterstäbe die unwirsche Mißgeburt genauer, nahm eine teilnehmende Miene an, wobei es seinen höckrigen Rücken noch etwas krummer machte als sonst, und bog und wiegte den langen Hals nachdenklich hin und her. Dann sagte es noch viel feierlicher: Besänftige dich, betrübte Seele! Da wird uns der Himmel auf meine Bitte wohl an den Weg der Erleuchtung führen. Da wirst du entweder ganz ein Löwe oder ganz eine Kröte werden müssen.