Das hab ich schon selbst gewußt — knurrte die Löwenkröte. Aber wie hab ich das anzufangen?!

Das heilige Kameel bog nochmals den Hals gewichtig hin und her, machte den Buckel noch krummer und sagte: Auch dazu wird uns das himmlische Licht den rechten Weg der Erleuchtung weisen. Da wirst du aber dem gütigen Himmel erst eine kleine Opfergabe darbringen müssen. Du darfst sie einstweilen zu meinen Füßen, der ich der Diener des Lichtes bin, vor diesem Gittertor niederlegen.

Die Löwenkröte besann sich ein bißchen, was sie dem Himmel wohl Wohlgefälliges darbringen konnte, und fragte dann schüchtern: Willst du vielleicht ein paar Giftschlangenköpfe? ich habe heut Mittag ein ganzes Nest voll getötet.

Nein — sagte das heilige Kameel und schüttelte sich von oben bis unten — Giftschlangen sind hier nicht am Platze, insonderheit keine getöteten; denn des Himmels Gnade läßt auch die Giftschlangen leben. Aber zuweilen sollen sich in den Nestern der Schlangen kostbare Edelsteine finden; wenn du deren vielleicht eine kleine Portion geraubt haben solltest, die würden dem Himmelslicht angenehm sein! — Und ganz verklärt verdrehte das heilige Tier bei diesen Worten seine Augen.

Da fiel der Löwenkröte ein, daß ihr am Mittag, als sie den Schlangen die Köpfe abbiß, etwas sehr Hartes ins Maul geraten war, das sie nicht hatte zerknacken können, und das ihr noch immer im Rachen steckte. Das spie sie nun schleunigst durch das Gitter dem Diener des Lichtes vor die Füße.

Das Kameel, als ihm der heftige Strahl so plötzlich entgegengeschleudert wurde, tat erst wieder einen entsetzten Satz. Als es aber vor sich im nassen Sande den großen Edelstein funkeln sah, gewann es seine Fassung zurück, nahm wieder eine würdige Haltung an und sprach mit gnädiger Halsneigung: Es ist zwar nur ein einziger Edelstein, aber dem Himmel ist auch Geringes willkommen, wenn es aus willigem Herzen kommt; ich werde für deine Erleuchtung beten.

Also werd’ich nun endlich Antwort kriegen? brauste die Löwenkröte auf, die schon vor Ungeduld zitterte.

Sobald ich gebetet habe — sprach das Kameel und zog sich etwas tiefer in seine Zelle zurück, den Edelstein mit dem Fuß an sich scharrend. Dann ließ es sich umständlich, wie die Kameele zu tun pflegen, auf beide Vorderkniee nieder, den Höcker so krumm wie nur möglich machend, und die Löwenkröte mußte warten, obgleich ihr die Mähne schon schwoll vor Zorn. Endlich erhob sich das heilige Tier, blieb weihevoll im Hintergrund stehen und sagte mit prophetischer Stimme: Der Himmel hat mein Gebet erhört. Er läßt dir durch seinen Diener sagen: wenn du wissen willst, wie dein Leib sich verwandeln soll, damit deine Seele zum Preise des Lichtes lachen lerne, dann mußt du dich auf den Weg machen und entweder die Löwen oder die Kröten danach fragen —

Aber das wollt ich ja grade nicht! brüllte die Löwenkröte verzweifelt. Warte, du ruppiges buckliges Biest! Und damit sprang sie in voller Wut gegen das Tor der Tempelzelle.

Aber auf solche Überfälle mußte dies wohl schon eingerichtet sein; denn trotz ihrer Riesenkräfte vermochte die wütende Löwenkröte das eiserne Gitter nicht zu sprengen, nur ein paar Stäbe verbogen sich. Und das Kameel blieb ruhig im Hintergrund stehen, besah sich das rasende Ungetüm, als könne es dessen Grimm nicht begreifen, und sagte nur mit tiefster Entrüstung: du undankbare Kreatur! Dann wandte es langsam dem Gitter den Rücken zu, und die Löwenkröte hatte den Eindruck, als ob sich’s nun wirklich im stillen die Hucke voll lachte.