Kerzengrad auf den Krückstock gestützt, trat er in den Korridor, ohne mit einer Miene zu zucken. „Es wimmelt ja heute von edlen Taten!“ sagte er und begann zu lächeln; „die Gnädige wollte mich auch schon retten.“
So sprechend reichte er mit starren Pupillen, während sie in schwärmerischer Verschämtheit das Bein mit ihrem Haar zudeckte, dem endlich wieder lachenden Konsul seine juwelenblitzende Linke. Und der Doktor sah im Hintergrund durch das weitgeöffnete Zimmerfenster den feuertrunken lächelnden Buddha über der Blütenwolke thronen.
Die gelbe Katze
Burleske
Nichts wirkt bestimmender als das Unbestimmte. Mit dieser Nutzanwendung pflegte mein Bruder Ernst mir seine Erlebnisse zu berichten. Jetzt ist er tot. Kurz vor seinem Ende schrieb er mir Folgendes.
Wenn die Frau, für die ich meine eigne verlassen wollte, mit mir von ihrem Manne sprach, kam sie mir immer häßlich vor. Ihre bräunliche Haut wurde dann gelblich, das wilde Haar schien schwarzer und tiefer in die Stirn gewachsen, der Pechglanz ihrer Augen wurde siechend und der Ausdruck des schwungvollen Mundes hilflos. Ich nannte das ihr Dienstmädchengesicht; aber es war mir unerklärlich.
Sie beherrschte den Mann; aber das konnte sie doch nicht mehr fesseln. Sein Körper war ihr unerträglich geworden, sein spöttischer Witz nicht minder. Seine Rachsucht fürchtete sie nicht, und seine Gutmütigkeit verachtete sie. Für Freiheit schwärmte sie wie eine russische Fürstin. Warum also blieb sie noch bei ihm? —
Freilich hatte sie ein Kind von ihm. Aber das faßte sie nicht gern an, trotzdem sie es sehr lieb zu haben glaubte. Mit meinem Töchterchen spielte sie lieber und sehnte sich nach einem Sohn von mir.
Auch auf sein Geld war sie nicht angewiesen; er hätte ihr das ihre nicht vorenthalten, er war ein Ehrenmann. Daß er mich im Duell erschießen könnte, befürchtete sie ebenso wenig; ich hätte ihm zu Ehren mein Leben nicht aufs Spiel gesetzt — (hier log mein Bruder Ernst) — und ihr zu Liebe brauchte ich’s nicht, mein Dasein war ihr werter als das Urteil der Leute.