Als ich zu mir kam, stand ich in einem Saal, der unabsehbar schien; vor mir, hinter mir, nach allen Seiten Spiegelwände. Und mitten durch den Saal, der Länge nach, von allen Seiten widergespiegelt, stand eine endlose Reihe von lautlos sich drehenden schwarzgekleideten Damen und lautlos hopsenden mausegrauen Herren, wie nach dem Rhythmus einer übersinnlichen Tanzmusik.

Keine der Damen — (hieraus entnahm ich, daß mein Bruder Ernst noch immer träumte) — hatte blos Einen Herrn, die meisten zwei, manche auch drei; einige schienen ein Dutzend zu haben, falls mich die Spiegel nicht täuschten. Alle trugen sie, so lustbar sie sich drehten, einen sonderbar hilflosen Trübsinn zur Schau, fast wie Automaten; die mittelste hielt ein weinendes Kind im Arm.

Immer wenn sich eine der Damen dem einen ihrer Herren etwas tiefer hinbog, tat dieser einen besonders hohen Hops, sodaß die mausegrauen Frackschöße, die sonst bis auf den Boden schlappten, die Luft durchschwänzelten. Dann warfen ihm die andern Herren, zumal die dicken, wütende Blicke zu; aber die Dame lächelte kindlich, dann wurden selbst die dicksten wieder sanft.

Mir fing an schwindlig zu werden; ich sah mich um nach meiner gelben Führerin. Ein Schauder beschlich mich: alle ihre Sommersprossen waren verschwunden. Die Pupillen hexenhaft groß, stand sie wie die Fürstin dieses Tanzspiels da und schüttelte die bachantischen Locken. Ihr Haar war aufgegangen, der Strohhut lag am Boden. In der Rechten hatte sie den falschen Ahornblütenzweig und schwang ihn wie ein Szepter. Das Gesicht war dunkelbraun, die schwungvolle Nase schien verbogen. Sie nickte mir zu.

In diesem Augenblick sprang hinter ihr die Spiegeltür von neuem auf; und stumm herein, in mausegrauem Frack, die Schöße zwischen den Fingerspitzen, grad auf mich los, kam der Gatte der schönen Frau gehopst. Ich wollte schon laut herauslachen, da seh ich in der Spiegeltür, die langsam wieder zugeht, entsetzt mich selbst im mausegrauen Frack, und plötzlich fang ich auch mit zu hopsen an.

Ich ringe verzweifelt nach Stillstand. Ich werfe der schönen Frau die ernstesten Blicke zu. Vergebens. Je tiefer sie mir in die Augen blinzelt, umso höher hopse ich.

Ich suche dem Gatten näher zu kommen. Ich will ihn aufreizen, mich zu packen. Er sieht mich spöttisch an und hopst.

Ich will ihm beweisen — ich hopse. Ich will ihm zeigen — er hopst. Ich will ihn zu Boden schlagen — wir hopsen.

Ich will der schönen Frau zu Füßen stürzen. Ich will sie beschwören, gnädig zu sein. Ich will und will, und kann es nicht —: ihre braune Haut wird häßlich gelb, ihr Haar scheint mähnenhaft gesträubt und tiefer in die Stirn gewachsen, ihr Blick wird stechend, der Ausdruck des üppigen Mundes hilflos: sie hat ihr Dienstmädchengesicht.

Ich schreie schmerzhaft auf — und bin wach.