Von allen diesen Behörden amtierte die eine Hälfte in der Stadt, die andere im Peiraieus. Die Sorge um die immer schwieriger werdende Ernährung der Hauptstadt[6] und die Furcht vor dem Kornwucher veranlaßte eine gesetzliche Bestimmung, wonach von allem im Kornhafen einlaufenden Getreide zwei Drittel auf den städtischen Markt gebracht werden mußten, eine Bestimmung, deren genaue Befolgung
5. die zehn Aufseher der Hafenbörse (ἐπιμεληταὶ ἐμπορίου) überwachten. Trotzdem war die Not oft groß; wiederholt ließ der Staat selbst Getreide aufkaufen, um es zu billigerem Preise abzugeben; hin und wieder sandten auch auswärtige Fürsten reiche Kornspenden nach Athen.
§ 47. Kriminalpolizei.
Die Kriminalpolizei lag den Elfmännern (οἱ ἕνδεκα) ob, einer Zehnerbehörde, der ein Schreiber beigegeben war. Dieselben lassen gemeine Verbrecher, wie Diebe, Straßenräuber und Menschenhändler, welche auf der Tat (ἐφ’ αὐτοφώρῳ) ertappt sind, ohne weiteres durch den Henker (δήμιος) hinrichten (vgl. [§ 38], Apagoge und Ephegesis) und bringen zweifelhafte Fälle vor ein Volksgericht, in welchem sie den Vorsitz führen. Auch hatten sie die Aufsicht über die Gefängnisse, in welchen für gewöhnlich nur Staatsschuldner oder zum Tod Verurteilte saßen. Die [pg 106]Hinrichtung wird bei politischen Vergehen mittels des Schierlingstranks (κώνειον), bei gemeinen Verbrechen durch Erschlagen mit dem Knüttel (ἀποτυμπανίζειν) vollzogen.
Der Kultus.
§ 48. Kultstätten.
Der griechische Tempel (νεώς, ναός von ναίω, wohne) dient als Wohnung des Gottes, sowie als Aufbewahrungsort für sein Kultbild und die ihm geweihten Kostbarkeiten, an deren Anblick der Gott sich erfreut, wenn er von Zeit zu Zeit seinen Tempel besucht. Gewöhnlich besteht derselbe aus einer Vorhalle (Pronaos), dem eigentlichen Gotteshause (Naos) und bei größeren Heiligtümern aus einem der Vorhalle entsprechenden Hinterraume (Opisthodomos), der als Schatzkammer dient. Manche Tempel haben außerdem ein Allerheiligstes (ἄδυτον), das nur von den Priestern zu gewissen Zeiten betreten werden darf. Fast ausnahmslos ist der griechische Tempel so angelegt, daß der Eingang, welchem das Antlitz des im Hintergrund des Mittelraums stehenden Kultbilds (ἄγαλμα) zugekehrt ist, nach Osten liegt.