Obschon auch die letzten Worte im Tone leichter Unterhaltung gesprochen wurden, machten sie doch einen tiefen Eindruck auf mich. „Thun sie dies, so senden wir sie in eine Heilanstalt, wo ihnen eine angemessene Behandlung zu teil wird.“ Bestätigte das nicht Forests Behauptung, daß die Urteile, welche über Gegner des Kommunismus gefällt würden, fast immer auf Einsperrung in eine Irrenanstalt [lauteten?]
Meine unangenehmen Gedanken wurden durch Ediths weiche Stimme unterbrochen: „Ich denke, lieber Vater,“ sagte sie, „Herr Forest ist ein eben so ehrenhafter wie wohlmeinender Mann und man sollte ihm gestatten, seine Meinungen zu äußern, selbst wenn diese irrig oder gar sonderbar sind. Die Studenten werden am Ende ohne Zweifel davon überzeugt werden, daß unsere Gesellschaftsordnung so gut ist, wie sie nur gestaltet werden kann. Außerdem ist es auch so unterhaltend, gelegentlich einmal eine andere Ansicht zu hören.“
Mit dem Ausdruck väterlicher Liebe legte Dr. Leete seine rechte Hand auf Ediths reiches Haar und sagte: „Die Damen am Hofe Ludwigs XVI. von Frankreich fanden auch die Ansichten sehr [unterhaltsam], welche die Revolution veranlaßten und vielen der „unterhaltenen“ Damen und Herren ihre Köpfe unter der Guillotine kosteten. — Gedanken sind Feuerfunken, die leicht eine Feuersbrunst veranlassen können, wenn sie nicht überwacht werden.“
Drittes Kapitel.
Ich hatte mich niemals viel mit Volkswirtschaft befaßt und es war mir demgemäß auch nie in den Sinn gekommen, wirtschaftliche Grundsätze auf ihren Wert zu prüfen. Ob Wettbewerb oder Gütergemeinschaft der Menschheit zuträglicher sei — diese Frage war mir noch nie in den Sinn gekommen. Als daher Dr. Leete in seiner ebenso bestimmten wie ansprechenden Weise erklärte, wie die Gesellschaft nach Beseitigung des Wettbewerbes geordnet wurde, hatte ich nicht einmal erkannt, daß diese Ordnung auf kommunistischen Grundsätzen ruhte. Ich meinte, die Menschheit hätte das tausendjährige Reich errungen und als Dr. Leete mir sagte, daß seine bequeme, ja von Überfluß zeugende Lebensweise die des gesamten Volkes im letzten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts sei, da zweifelte ich nicht, daß jedermann mit der neuen Gesellschaftsordnung zufrieden sein müsse.
Meine kühle Aufnahme seitens der Studenten und meine Unterredung mit Herrn Forest hatten mich aber belehrt, daß nicht alle Bewohner der Vereinigten Staaten im zweitausendsten Jahre des Herrn die jetzige Gesellschaftsordnung für das tausendjährige Reich hielten und ich muß bekennen, daß mich diese Wahrnehmung sehr schmerzlich berührte. Denn ein süßer Friede, eine nie vorher empfundene Ruhe waren in mein Herz gezogen, als Dr. Leete von der grenzenlosen Glückseligkeit erzählte, deren sich die Menschheit im zwanzigsten Jahrhundert erfreute.
Meine neue Stellung legte mir nun die Pflicht auf, mich eingehend mit volkswirtschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Allerdings hätte ich einfach die gesellschaftlichen und politischen Zustände in den Vereinigten Staaten am Schlusse des vorigen Jahrhunderts schildern und vor jenem Hintergrunde die neue Ordnung der Dinge loben können; aber das würde mir selbst nicht genügt haben. Ich wollte selbst durch eingehende vergleichende Prüfung erforschen, welche von beiden wirtschaftlichen Richtungen den Vorzug verdiene. Deshalb pflegte ich meine Bekanntschaft mit Herrn Forest, um dessen Gründe gegen die von Dr. Leete vertretenen Lehren kennen zu lernen. Dieser Umgang mit Herrn Forest war insofern für mich kein angenehmer, als mich stets das Gefühl des Unbehagens bei dem Gedanken überkam, daß Forests Anschauungen und Grundsätze sich als die richtigeren erweisen könnten. Denn ein Sieg der von Forest vertretenen Ansichten kam einer Umkehr zu einem Stande der Dinge gleich, welcher mir so gründlich zuwieder war, wegen der Sorgen und Unbequemlichkeiten, die er im Gefolge hatte. Mir erschien Dr. Leetes Staatswesen als ein Paradies, aus dem Forest mich vertreiben wollte.
In meinen nächsten Vorlesungen beschränkte ich mich auf eine genaue Schilderung des „Arbeitsmarktes“ in Boston im Jahre 1887. Alle Übertreibungen sorgfältig vermeidend, zog ich aus den vorliegenden Thatsachen nur unbestreitbare Schlußfolgerungen. Ich zeigte, wie Kapital und Arbeit gleichmäßig unter den zahlreichen Arbeitseinstellungen jener Tage gelitten hatten und pries die jetzige Ordnung der Dinge, weil sie solche unsinnige wirtschaftliche Kämpfe unmöglich mache.
Nach Beendigung meiner Vorlesungen unterhielt ich mich stets mit Herrn Forest, welcher ebenso bereitwillig war, über die neue Gesellschaftsordnung zu sprechen, wie Dr. Leete.