„Obwohl die innere Organisation der verschiedenen Gewerbezweige in Industrie und Ackerbau, der Eigentümlichkeit ihrer besonderen Bedingungen gemäß, verschieden ist, stimmen sie doch in der allgemeinen Einteilung ihrer Arbeiter je nach ihrer Fähigkeit in solche ersten, zweiten und dritten Grades überein; und in vielen Fällen sind diese Grade noch in eine erste und eine zweite Klasse eingeteilt. Gemäß seinen Leistungen als Lehrling erhält der junge Mann den Rang als Arbeiter ersten, zweiten und dritten Grades..... Die Feststellungen der Rangordnungen „finden in jedem Gewerbezweige in Zwischenräumen statt.“[ [13] ] .... „Ein besonderer Vorteil eines hohen Grades ist das Recht, welches derselbe dem Arbeiter verleiht, sich innerhalb der verschiedenen Zweige oder Verrichtungen seines Gewerbes eine Specialität auszuwählen.“[ [14] ] Dr. Leete hat Sie fernerhin wohl auch davon unterrichtet, daß soweit wie möglich „selbst die Neigungen des schlechtesten Arbeiters berücksichtigt werden.“ .... „Aber obwohl auch die Wünsche der Arbeiter eines niederen Grades Berücksichtigung finden, so weit die Anforderungen des Dienstes es gestatten, so geschieht dies doch erst dann, wenn für die Arbeiter der höheren Grade gesorgt worden ist und so müssen sie oft mit einer, ihnen erst an zweiter oder dritter Stelle zusagenden Wahl vorlieb nehmen, oder es wird ihnen sogar ohne weiteres direkt eine Arbeit übertragen, wenn dies nötig wird. Dieses Wahlrecht tritt bei jeder neuen Feststellung des Ranges in Kraft; und wenn jemand seinen Rang verliert, so läuft er auch Gefahr, die Art Arbeit, welche er liebt, mit einer anderen vertauschen zu müssen, welche ihm weniger gefällt.“[ [15] ] .... Die hohen staatlichen Ämter sind „nur den Männern des ersten Grades zugänglich.“[ [16] ]

„Diese Bestimmungen beweisen die Richtigkeit dessen, was ich über die Gewalt der Regierung sagte. Die Lieutenants, die Hauptleute und die Obersten werden von den Zunftgeneralen ernannt, welche wiederum unter dem Befehl der zehn Vorsteher der zehn großen Abteilungen stehen. Diese Beamten können ihren jungen Freunden, welche als Rekruten in das Arbeiterheer treten, leichte Arbeit und gute Zeugnisse geben und sie können diese jungen Freunde in den Stand setzen auf Grund ihrer guten Zeugnisse, sobald sie die ersten drei Jahre ihrer Dienstzeit zurückgelegt haben, sofort in die erste Abteilung des ersten Grades einer Zunft zu treten. Und ein solcher Günstling einflußreicher Leute kann, nachdem er eine angenehme Rekrutenzeit verbracht hat und sofort in die erste Abteilung des ersten Grades einer Zunft befördert worden ist, alsbald zum Lieutenant ernannt werden und die Laufbahn zu den höchsten Ehren in wenigen Jahren durchmachen. — Sie können nicht leugnen, Herr West, daß unsere gesetzlichen Bestimmungen eine solche Günstlingswirtschaft ermöglichen.“

Ich mußte zugeben, daß solche Vorkommnisse möglich wären.

Herr Forest fuhr fort: „Andererseits können solche jungen Leute, welche nicht die Söhne oder Freunde unserer Regierungslichter sind, sich sehr glücklich schätzen, wenn sie in einer Stellung des zweiten Grades mit einem Zeugnis unterkommen, welches die Hoffnung auf weitere Beförderung nicht ausschließt. Verwandte von ausgesprochenen Gegnern der Regierung können in die zweiten Abteilungen der dritten Grade der verschiedenen Zünfte gestellt und ihre Zeugnisse können so geführt werden, daß alle Hoffnung auf Erlangung einer höheren Stellung ausgeschlossen ist. Und solche Günstlingswirtschaft ist nicht nur möglich, sie besteht in vollem Umfange. Die Söhne und Verwandten von Leuten, welche als Gegner der Regierung bekannt sind, führen ein Dasein, schlechter als das von Sklaven und werden oft wie Fußbälle behandelt.“

„Giebt es keinen Gerichtshof, vor welchem sie Klage führen können?“ fragte ich.

„Ja. Ungerecht behandelte Frauen oder Männer können vor einem Richter Klage führen,“ antwortete Herr Forest. „Aber die Richter niederen Grades sind einfach Leute, welche das fünfundvierzigste Lebensjahr zurückgelegt haben und vom Präsidenten auf fünf Jahre zu Richtern ernannt worden sind. Diese entscheiden, wie Dr. Leete Ihnen mitgeteilt haben wird, in allen Fällen, in welchen ein Mitglied des Arbeiterheeres gegen einen Vorgesetzten Klage wegen Ungerechtigkeit führt. Alle solche Fragen werden von einem einzelnen Richter endgültig entschieden; drei Richter werden nur in besonders schweren Fällen berufen.[ [17] ] — Die vom Präsidenten zu Richtern ernannten Leute sind natürlich Vertrauensmänner und Freunde der Regierung und man kann von ihnen nicht erwarten, daß sie bei solchen Klagen gegen die Beamten der Regierung und zu Gunsten eines „Widersetzlichen“ entscheiden sollten. Und da solche Beschwerden endgültig entschieden werden, ohne daß dem Kläger das Recht zusteht, vor einem höheren Gerichtshofe Berufung einzulegen, so bleibt dem ungerecht behandelten Mitgliede des Arbeiterheeres nichts weiter übrig, als auf seinen alten Posten zurückzukehren, wo sein Vorgesetzter, gegen den es geklagt hat, es natürlich nicht besser behandelt als zuvor. Im Gegenteile muß der „Widersetzliche“ es in den meisten Fällen schwer entgelten, daß er gegen einen Offizier Klage geführt hat. Bei der nächsten Neueinteilung in Abteilungen und Grade kann der Offizier den unglücklichen Menschen in die zweite Abteilung des dritten Grades stecken, wenn er nicht schon dahin degradiert war. Jedenfalls kann der erzürnte Offizier dem Mißvergnügten die schmutzigste, ungesundeste Arbeit zuteilen.“

Dieses von Forest entworfene Bild der Zustände im Arbeiterheere erschien mir um so [entsetzlicher, wenn] ich es mit den rosenfarbenen Schilderungen des Dr. Leete verglich. Ich war davon so erschüttert, daß ich mich zu einem Versuch nicht aufraffen konnte, gegen die Schilderungen und Schlüsse meines Vorgängers in der Professur anzukämpfen.

Nach einer kurzen Pause fuhr der jetzige Pedell fort: „Nun erwägen Sie in Verbindung mit den Thatsachen und Einrichtungen, die ich eben erwähnt habe, daß die Arbeiter „kein Stimmrecht [ausüben] oder irgendwie bei der Wahl ihrer Vorgesetzten hineinreden dürfen.“[ [18] ] „Der General eines Gewerbes vollzieht die Ernennung für die Rangstufen unter ihm, aber er selbst wird nicht ernannt, sondern durch Stimmenmehrheit gewählt, ... d. h. von denjenigen, welche in der Zunft gedient und ihre Entlassung erhalten haben.“[ [19] ] So, mein lieber Herr West, sind also die Angehörigen des Arbeiterheeres vierundzwanzig Jahre lang der Gnade oder Ungnade ihrer Vorgesetzten gänzlich preisgegeben. Wenn sie während dieser Zeit leichten Dienst haben wollen, müssen sie allen Befehlen blindlings gehorchen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln nach Gunst streben. Sie müssen ihre stimmberechtigten Freunde beeinflussen, damit diese nicht nur für die Regierung stimmen, sondern das auch in möglichst demonstrativer Weise thun. Gelegentliche Geschenke von Wein und Cigarren erregen bei manchen Offizieren freundliche Gefühle. Verabsäumt das Mitglied des Arbeiterheeres alle diese Schritte und Maßregeln, so kann es, unter Umständen, vierundzwanzig Jahre lang ein Leben führen, mit welchem verglichen das Schicksal eines Plantagensklaven oder eines Kohlengräbers vor 150 Jahren als beneidenswertes Dasein erscheinen muß. Denn ein Plantagenneger stellte für seinen Eigentümer einen wertvollen Besitz dar, der nicht leichtsinnig gefährdet werden durfte, während der Kohlengräber seine Arbeit aufgeben und sich anderswo Beschäftigung suchen konnte, wenn ihm seine Arbeit oder die ihm widerfahrene Behandlung nicht behagten. Ein Mitglied des Arbeiterheeres dagegen, welches sich den Zorn des einen oder des andern Offiziers zugezogen hat, oder welches auf die Liste der Feinde der Gesellschaft gesetzt worden ist, weil seine stimmfähigen Verwandten gegen die Regierung gestimmt haben, — ein solches Mitglied der „industriellen Armee“ führt ein Leben, welches man sehr wohl „vierundzwanzig Jahre der Hölle auf Erden“ nennen darf.

„Sie ersehen hieraus, Herr West, weshalb der Kongreß keinen Einfluß hat. Die große Mehrzahl seiner Mitglieder ist beständig bemüht, für sich selbst, für Verwandte und für Freunde Gunstbezeugungen dadurch zu erlangen, daß sie der Regierung in jeder Weise entgegenkommen. Und dies ist die Gleichheit der besten Gesellschaftsordnung, deren die Menschheit sich jemals erfreute! Dies ist, was Dr. Leete das tausendjährige Reich menschlicher Glückseligkeit nennt.“