Ich fragte Forest, was er von diesen Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen halte.
„Ich glaube, sie sind bis zu einem gewissen Grade nur zu wohl begründet,“ sagte mein Amtsvorgänger. „Die Versuchung unter unserem elenden System ist eben für viele Menschen zu groß. Daß die Führer der Regierungspartei ihren Verwandten und Freunden die besten Stellungen geben, würde ich durchaus nicht tadelnswert finden, wenn die Angestellten die ihnen übertragenen Ämter gut verwalten könnten. Aber die 20 000 000 besten Stellungen im Lande sind durchaus nicht mit den besten und tüchtigsten Frauen und Männern besetzt. So weit diese Ämter und Stellen nicht den Verwandten und nächsten Freunden der höchsten Beamten verliehen sind, werden sie an die Angehörigen der eifrigsten und einflußreichsten Anhänger der Regierung vergeben. Und selbst das würde erträglich sein, wenn die Günstlingswirtschaft da ein Ende erreichte, an der Grenze der Verderbtheit und drückenden Willkür. Aber sie geht noch viel weiter.“
„Klagen Sie die jetzige Regierung und deren Freunde der Korruption und Tyrannei an?“ fragte ich, entschlossen, meinen weiteren Unterredungen mit Herrn Forest ein Ende zu machen, falls dieser entehrende Anklagen gegen meinen Gastfreund vorbringen sollte.
„Ich spreche von dem jetzigen Regierungssystem und erwähne nur Thatsachen, oder Handlungen, welche ich nachweisen kann,“ antwortete Forest. „Ich klage niemanden an lediglich weil ich daran Vergnügen finde. Ich fühle, daß Ihre Frage auf Dr. Leete Bezug hat und obschon sie nicht unmittelbar gestellt wurde, werde ich sie doch offen beantworten. Ich halte Dr. Leete für einen der besten und ehrenhaftesten unter unseren Parteiführern, aber auch er macht von den Vorteilen Gebrauch, welche unter unserem System den Machthabern so leicht zugänglich sind.“
„Wollen Sie die Güte haben, Ihre Behauptung zu beweisen,“ sagte ich ruhig, aber bestimmt.
„Ich werde es Ihrem Urteil überlassen, zu entscheiden, ob ich in meinen Behauptungen zu weit gegangen bin,“ fuhr Forest fort. „Hat Dr. Leete Ihnen nicht mitgeteilt, daß er schon „seit langen Jahren vorhatte in dem großen Garten neben diesem Hause ein Laboratorium für chemische Zwecke zu bauen?“[ [22] ] Und hat er Ihnen nicht erzählt, daß er Arbeiter kommen ließ, und daß diese das Gewölbe ausgruben, in welchem Sie schliefen?“[ [23] ]
„In der That! Dr. Leete sagte, daß er ein chemisches Laboratorium zu bauen beabsichtigte,“ gab ich zu. „Gestattet ihm aber sein Guthabensschein nicht eine solche Ausgabe?“
Forest sah etwas erheitert aus, als er mich fragte, ob ich jemals gesehen hätte, wie groß der Gesamtbetrag des Jahresguthabens wäre. Ich gestand, daß ich dies nicht wüßte. Die Lebensweise des Dr. Leete zeugte von Überfluß und erschien mir gut genug für selbst hochgestellte Ansprüche. Ich hatte mir deshalb noch nie die Frage nach dem genauen Betrage seiner Einnahmen vorgelegt.
„Wenn es Ihnen genehm ist,“ sagte Forest, [„wollen] wir über den Volkswohlstand zu einer anderen Zeit sprechen. Heut wollen wir uns darauf beschränken, die Neigung des Kommunismus zur Erzeugung von Günstlingswirtschaft, Bestechlichkeit, Knechtssinn und Tyrannei zu untersuchen. — In Bezug auf Dr. Leete steht fest, daß er sich ein chemisches Laboratorium bauen läßt, trotzdem dies Unternehmen in offenbarem Widerspruch steht zu den Zwecken und dem Geist unserer Einrichtungen. In dem Erdgeschosse dieser Universität befindet sich ein sehr gutes derartiges Laboratorium und Dr. Leete hätte sicherlich nach Gefallen in demselben experimentieren können, wenn er um die Erlaubnis hierzu nachgesucht hätte. Schon sein Einfluß würde ihm diese verschafft haben. Aber seine Eitelkeit veranlaßt ihn, ein überflüssiges Gebäude errichten zu lassen, welches den Radikalen als ein neuer und sichtbarer Beweis für ihre Anklagen gegen die herrschende Parteisippe dienen wird.“