„Von welchen Radikalen sprechen Sie?“ fragte ich.
„Ich rede von den radikalen Kommunisten, welche die jetzige Regierung bekämpfen, weil sie alle religiösen Gebräuche, die Ehe und das wenige persönliche Eigentum abschaffen wollen, dessen Besitz jetzt noch gestattet wird. Von unseren politischen Parteien und von deren Grundsätzen werden wir später sprechen. Ich wollte Sie nur von der Thatsache überzeugen, daß Dr. Leete zu seinem eigenen Gebrauche und in offenbarem Widerspruch mit den kommunistischen Grundsätzen ein chemisches Laboratorium errichtet, eine sehr kostspielige Anstalt, welche mit den Guthabensscheinen von zehn Leuten nicht hergestellt werden könnte und daß er auf diese Weise den Tadel aller Regierungsgegner herausfordert.“
„Kann Dr. Leete nicht eine angemessene Miete für das Laboratorium bezahlen?“ fragte ich. „Ich sollte meinen, daß der vorhandene Überschuß der Arbeitskräfte nicht besser benutzt werden könnte, als zur Errichtung von Gebäuden, deren Miete alsdann das Staatseinkommen erhöht.“
„Wir haben aber keinen Überschuß von Arbeitskräften, wie Sie alsbald erfahren werden,“ sagte Forest. „Und stellen Sie sich nebenher einmal vor, was geschehen würde, wenn jeder Bürger einen ähnlichen Aufwand für Bauarbeiten und für die Anschaffung von Instrumenten beanspruchen würde. Sie werden einsehen müssen, daß Dr. Leete eine Ausnahmestellung beansprucht, was nach Anmaßung und Günstlingswirtschaft aussieht. Er mißbraucht die Macht seiner Stellung und erregt dadurch böses Blut.“
Ich konnte gegen diese Auseinandersetzungen Forests nichts Haltbares vorbringen und schwieg deshalb.
„Aber Günstlingswirtschaft und gelegentlicher Mißbrauch der Regierungsgewalt zu Gunsten von Leuten wie Dr. Leete sind noch nicht die schlimmsten Erscheinungen in unserem öffentlichen Leben,“ sagte Forest weiter. „Auch die Thatsache, daß einflußreiche Männer häufig Geschenke von Seide, Pelzen und goldenen Schmucksachen für ihre Frauen und Töchter, sowie von Wein und Cigarren für sich selbst seitens solcher Leute erhalten, welche die Fürsprache der Einflußreichen brauchen, könnte ertragen werden, obschon solche Vorkommnisse ein offenbarer Beweis für eine gewisse Verderbtheit im öffentlichen Leben sind. Die schlimmsten Folgen dieses verdammenswerten Kommunismus sind die Tyrannei und rücksichtslose Verfolgung aller Gegner der Regierung auf der einen Seite, und der Knechtssinn, die Schmeichelei und Verleumdungssucht auf der anderen Seite. Jeder Mann und jede Partei, welche eine erstrebte Stellung erreicht haben, werden sich in derselben gegen alle Angriffe ihrer Gegner zu behaupten suchen. Sie werden die Freunde belohnen, von welchen sie unterstützt werden und ihre Gegner zurückzudrängen suchen. Deshalb ist es sehr gefährlich, eine große Regierung mit einer Gewalt zu bekleiden, welche die Herrschenden in den Stand setzt, das Volk in seiner täglichen Erwerbsthätigkeit sein Lebenlang in Abhängigkeit von der Gunst seiner Beamten zu erhalten.“
„Nach Ihrer Beschreibung erscheint die gegenwärtige Ordnung der Dinge unerträglich,“ sagte ich.
„Wenn Sie unter den Mitgliedern der verschiedenen Zünfte, besonders unter den Ackerbauern, Nachfrage halten,“ entgegnete Forest, „so werden Sie finden, daß ich die Zustände genau so schildere, wie sie sind. Jedes Mitglied des Arbeiterheeres weiß, daß Befähigung und Fleiß allein nur in Ausnahmefällen genügen, um jemanden zu einer erstrebten Stellung zu verhelfen. Politischer Einfluß ist der allmächtige Hebel, der allein uns zu höheren Stellungen hinaufbefördern kann und um diesen Einfluß zu erlangen, muß der Arbeiter zum Kriecher, zum Schleicher, zum Angeber seiner Kameraden und zum Bestecher seiner Vorgesetzten werden; ja er muß auch alle stimmfähigen Verwandten und Freunde beschwören, sich ihrer Selbständigkeit zu entäußern und alle Maßregeln, sowie alle Mitglieder der Regierung zu unterstützen.
„Wenn die Mitglieder des Arbeiterheeres ihre Offiziere oder Aufseher wählen könnten,“ fuhr Herr Forest in seinen Auseinandersetzungen fort, „dann würde voraussichtlich die Disciplin in der „industriellen Armee“ nicht so strikt sein; aber selbst eine gelegentliche Auflehnung der Leute gegen die Beamten würde dem jetzigen Stande der Dinge vorzuziehen sein, unter welchem Alle, die sich den Groll ihrer Vorgesetzten zugezogen haben, ein entsetzliches Dasein führen. Die Selbstmorde werden deshalb alljährlich zahlreicher und die Zahl derjenigen, welche ihrem Leben ein Ende machen, ist jetzt viermal so groß, wie zu Ihrer Zeit.“