„Aber unsere Arbeiter wollten die Verantwortlichkeit, die Sorgen und Wagnisse nicht übernehmen, welche von der Führung eines eigenen Geschäftes unzertrennlich sind. Sie zogen es vor, für Lohn zu arbeiten und versuchten es, diesen von Zeit zu Zeit zu erhöhen, indem sie die Arbeit einstellten und andere Leute verhinderten, die Plätze der Streiker einzunehmen,“ sagte ich. „Ihnen sind diese Verhältnisse jedenfalls bekannt.“
„Allerdings,“ erwiderte Forest, „und es muß auf den unbeteiligten Beobachter einen trübseligen Eindruck gemacht haben, daß tüchtige Arbeiter, die ihr Geschäft gründlich verstanden, anstatt auf gemeinschaftliche Kosten eigene Geschäfte zu begründen, Lohnarbeiter blieben und aus ihren Arbeitgebern mehr Geld zu erpressen versuchten, als diese zahlen wollten oder konnten, dabei andere Leute gewaltsam verhindernd, für den vom Fabrikanten bewilligten Lohn zu arbeiten. Der Umstand, daß die Arbeiter am Ende des neunzehnten Jahrhunderts nicht Unternehmungsmut, geistige Befähigung und Unabhängigkeitssinn genug besaßen, für eigene Rechnung zu arbeiten, hat die menschliche Gesellschaft in den Kommunismus gestürzt. Daß diese fluchwürdige Staatsform ein kläglicher Fehlschlag werden mußte, war eine aus der menschlichen Natur erwachsende Notwendigkeit. Ein Geschlecht, welches noch auf einem so niedrigen Standpunkte der Entwicklung stand, daß die Schuhmacher nicht einmal thatkräftig und klug genug waren, für eigene gemeinschaftliche Rechnung Schuhe und Stiefel zu machen, sondern viel lieber ‚Lohnsklaven‘ blieben, streikten und andere Arbeiter prügelten, welche für den gebotenen Lohn arbeiten wollten; ein so kümmerliches Geschlecht war natürlich geistig durchaus unfähig, ein Staatswesen zu bilden, welches alle menschliche Thätigkeit und den Verbrauch aller Arbeitserzeugnisse regelt.“
„Jedenfalls ist die Thätigkeit der Arbeiter auf gemeinschaftliche Rechnung die vernünftigste Lösung dessen, was viele Arbeiter auch heut noch die sociale Frage nennen,“ fuhr Forest fort, nachdem er eine kurze Pause gemacht hatte. „Solche Genossenschaften sichern den Arbeitern den vollen Lohn für ihre Thätigkeit und erhalten den Wettbewerb aufrecht, die mächtige Triebkraft zur Entwicklung der Menschheit. Ob wir aber diese Lösung der Arbeiterfrage erleben werden, erscheint sehr zweifelhaft.“
„So weit die in Fabriken und Werkstätten beschäftigten Arbeiter in Frage kommen, erscheint mir Ihr Vorschlag in der That recht gut,“ gab ich zu. „Wie würden Sie aber die Arbeit auf dem Lande geregelt haben, die Thätigkeit der Ärzte und Rechtsanwälte, der Eisenbahnbeamten und -Arbeiter, der Angestellten an den Straßenbahnen, der Kaufleute, Bankiers und vieler anderer Berufszweige?“
„Lassen Sie uns schrittweise vorgehen,“ entgegnete Forest lächelnd. „Beschäftigen wir uns zunächst mit der agrarischen Frage, welche seit Menschengedenken jeder Umgestaltung der Gesellschaft die größten Schwierigkeiten bereitet hat. Unter der jetzigen kommunistischen Wirtschaft hegen die Ackerbauer nur wenig Liebe für den Boden, den sie bewirtschaften. Das Land gehört ihnen ebenso wenig, wie das, was sie demselben abgewinnen. Sie glauben, daß sie für die Städter arbeiten müssen, welche auf Kosten der Landbevölkerung bevorzugt werden. — Hätte man mich am Ende des neunzehnten Jahrhunderts gefragt, wie ich die Landfrage behandeln wolle, so würde ich ein Gesetz befürwortet haben, nach welchem niemand mehr als 40 Acker besitzen dürfte. Diejenigen Bauern, welche damals mehr Land besaßen, hätten dasselbe behalten, aber nach ihrem Tode hätte niemand mehr als 40 Acker erben dürfen. Auf einem ‚Vierzig-Ackerstück‘ kann ein Bauer sehr gut leben und obschon in Ihren Tagen die Ackerbauer unter der Zuvielerzeugung von Vieh, Getreide und Früchten aller Art schwer zu leiden hatten, so entschädigte die Farmer doch die Aussicht auf die beständige Vermehrung der Bevölkerung, verstärkt durch Einwanderung, für die kümmerliche Gegenwart; denn die Bevölkerungsvermehrung steigerte natürlich den Wert der Farmländereien.“
„Aber wie hätten Sie der Überproduktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse Einhalt thun können, wodurch die Landbevölkerung im Jahre 1887 so schwer litt?“ fragte ich.
„Das Bundesamt für Ermittelungen, auch statistisches Bureau geheißen, würde den Bauern ebenso gedient haben, wie dem übrigen arbeitenden Volke,“ versetzte Forest. „Die Bauern hätten einen Nationalverein bilden und dieser hätte die Produktion regeln sollen nach der Leistungsfähigkeit der Ackergüter des ganzen Landes. Und wenn es sich herausstellte, daß die Farmer ungleich mehr Ackerbauerzeugnisse hervorbringen konnten, als der Bedarf erforderte, dann hätten die Bauern einen Teil ihres Landes zum Anbau neuer Nutzpflanzen verwenden können, für welche sich vielleicht ein Markt gefunden hätte; oder sie hätten einfach Arbeit sparen können, indem sie einen Teil des Bodens brach liegen ließen.“
„Nach Ihrer Ordnung der Dinge hätte nicht jedermann ein Anrecht an den Grund und Boden gehabt?“ warf ich ein.
„Doch! Jedermann, welcher den Preis zahlen wollte und konnte, den der Eigentümer dafür forderte,“ entgegnete Forest. „Es kann nicht jedermann ein Landgut besitzen. Besaßen Sie eins?“
„Nein.“