„Nun wohl! Unter der kommunistischen Wirtschaft besitzt niemand auch nur so viel Land, daß man einen Stock hinein stecken könnte.“
„Wie würden Sie die Thätigkeit der Ärzte und Rechtsanwälte geregelt haben?“
„Durch gesetzmäßige Feststellung einer Gebührentaxe. Und die Gesetze selbst würde ich sehr vereinfacht haben durch Beseitigung des schauderhaften Wirrwarrs, welcher aus einer [sogenannten] Rechtspflege entstand, die aus der Entscheidung zahlloser früherer Fälle hergeleitet wurde. Lange habe ich es nicht glauben wollen, bis ich ganz unzweifelhafte Angaben darüber fand, daß eine so viel Handel treibende Nation, wie die amerikanische es gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts war, weder ein einheitliches Kriminalgesetz, noch ein einheitliches Handelsgesetz besaß. Diese Thatsache und der Wirrwarr, welcher aus den einander widersprechenden Entscheidungen ähnlicher Fälle in früheren Prozessen folgte (Entscheidungen, welche stets von den Rechtsanwälten beider Parteien in einem Rechtsstreite vorgeführt werden konnten), müssen die Ver. Staaten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts zu einem Paradiese für Schwindler und für solche Advokaten gemacht haben, welchen es weniger um die Feststellung des Rechts zu thun war, als um einen möglichst hohen „Ehrensold“; oder, besser gesagt, Sündenlohn.“
„Solche Anklagen wurden zu meiner Zeit vielfach gegen die Rechtspflege und gegen die Rechtsanwälte erhoben,“ schaltete ich ein. „Aber nun sagen Sie mir, was Sie mit den Angestellten der Eisenbahn- und Telegraphenlinien gethan hätten; mit ....“
„Fragen Sie gefälligst etwas langsamer,“ ersuchte mich Herr Forest. „Ich würde alle Eisenbahn- und Telegraphenlinien des Landes zu einem angemessenen Preise aufgekauft und Bundesschuldscheine zur Bezahlung ausgegeben haben. Die Einnahmen der Eisenbahnen- und Telegraphenlinien würde ich zur Zahlung der laufenden Ausgaben und zur Verzinsung der ausgegebenen Schuldscheine benutzt haben, die Überschüsse im Bundesschatzamte aber zur Bezahlung der ausgegebenen Bonds.“
„Mir scheint, als stände dieser Vorschlag im Widerspruche mit dem, was Sie in Bezug auf die schauderhaften Zustände sagten, die eine Folge der Ansammlung zu großer Macht in den Händen der Regierung sein sollen,“ fragte ich.
„Nein,“ antwortete Forest. „Zur Herbeiführung solcher Zustände, wie die jetzigen, wären die Eisenbahn- und [Telegraphenämter] nicht zahlreich genug, abgesehen davon, daß jetzt alle Arbeiter von der Regierung ganz abhängig sind, keine Stimme bei der Erwählung der Beamten haben, und ihre Arbeitgeber nicht wechseln können, weil der Staat der einzige Arbeitgeber ist; während zu Ihrer Zeit alle Beamten das Wahlrecht hatten und ihre Stellungen mit andern vertauschen konnten, wenn sie unzufrieden wurden. Auch erinnere ich mich, daß man zu Ihrer Zeit mit der Reformierung des Beamtenwesens begonnen hatte. Ich habe darüber widersprechende Urteile gelesen. In manchen Aufsätzen wurde behauptet, daß die Sicherheit der republikanischen Einrichtungen einen häufigen Wechsel der Beamten erfordere; während in andern Schichten diese Ansicht als lächerlich verspottet wurde. Jeder vernünftige Mensch würde einen Mann, der ihm treu und umsichtig diene, so lange wie möglich behalten. Das Volk solle dasselbe thun, und seine Angestellten so lange behalten, wie sie ihre Schuldigkeit thäten; gleichviel welcher politischen Partei sie angehörten. Nur dadurch könnte eine gute Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten erzielt werden. Ich entsinne mich gelesen zu haben, daß Briefträger und andere im Postdienst Angestellte nicht entlassen werden durften, wenn man ihnen keine Pflichtverletzung nachweisen konnte. Wenn diese Grundsätze auf alle Angestellten des Eisenbahn- und Telegraphenwesens angewendet worden wären, von dem Augenblick an, da diese Einrichtungen in die Verwaltung der Ver. Staaten übergingen; wenn alle Angestellten mit denselben Gehältern, die sie früher bezogen, beibehalten worden wären, so lange sie ihre Schuldigkeit thaten, so hätte die Übernahme des Eisenbahn- und Telegraphenwesens und die Vereinigung dieser beiden Verkehrsanstalten mit dem Postdienste nur geringe Schwierigkeiten veranlaßt. „Uncle Sam“ hätte natürlich ebenso gute, wenn nicht bessere Gehalte zahlen können, als die Aktiengesellschaften, welche früher den Eisenbahn- und Telegraphendienst leiteten.“
„Das klingt ganz annehmbar.“
„Und es ist annehmbar. Deutschland hatte mit der Vereinigung des Post-, Eisenbahn- und Telegraphendienstes unter Staatsleitung bereits eine erfolgreiche Probe zu der Zeit gemacht, da man 1887 schrieb. — Es ist in der That höchst bemerkenswert, daß ein so weltkluges, thatkräftiges und handeltreibendes Volk, wie das der Ver. Staaten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, die Hauptverkehrsmittel in den Händen von Körperschaften ließ, welche dieselben natürlich zu dem Zwecke verwalteten, möglichst großen Gewinn herauszuwirtschaften; mitunter auch einen Nebengewinn für einen Direktorenring.“
„In manchen Geschichtswerken Ihrer Zeit,“ fuhr Forest fort, „begegnet man Äußerungen des Erstaunens und des Zorns darüber, daß im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert in manchen europäischen Ländern sogenannte Raubritter ihr Unwesen treiben durften. Diese Biedermänner hielten die unter ihren Schlössern vorbeiziehenden Kaufleute und Reisenden an, forderten einen Zoll und lieferten ihnen unter Umständen dafür Schutz innerhalb gewisser Grenzen. Dies waren die „Geschäftsgrundsätze“ der „anständigen“ Raubritter. Die „unanständigen“ plünderten die Reisenden einfach aus, unterschieden sich also in keiner Weise von gewöhnlichen Straßenräubern. Wir haben es hier nur mit den Rittern zu thun, welche für die Benutzung der über ihr Gebiet führenden Straßen eigenmächtig einen Zoll erhoben. Diese Herren wagten ihre gesunden Gliedmaßen, ja ihr Leben an die Eintreibung eines Wegezolles; denn die Kaufleute wußten mit Schwert und Lanze umzugehen, hatten oft bewaffnete Knechte mit sich und leisteten häufig erfolgreichen Widerstand. Mehr als ein Ritter fiel bei seinem Versuche, Zoll zu erheben, im Kampf auf der Landstraße, manches „Raubschloß“, dessen Insassen den benachbarten Städten besonders beschwerlich geworden waren, wurde von den Bürgern gestürmt, und der Herr Raubritter büßte seine Gelüste nach Zöllen mit dem Tode. Anders war es zu Ihrer Zeit. Die Herren, welche damals Zölle von den Reisenden und von den Waren erhoben, die über die Hauptverkehrsstraßen befördert wurden, konnten das ohne alle Gefahr thun. Sie durften diese Zölle auch fast nach Belieben steigern. Alles, was sie zu diesem Zweck zu thun hatten, war die Veranstaltung einer Zusammenkunft der Eisenbahnpräsidenten da oder dort und die Annahme des Beschlusses, daß sie die Preise für die Beförderung von Reisenden und Frachtgütern erhöhen wollten. Solche Zusammenkünfte hatten nur dann üble Folgen, wenn der Champagner schlecht war, welcher bei diesen Gelegenheiten getrunken wurde. Es war ein fast lächerlicher Zustand, daß ein handeltreibendes Volk den gesamten riesigen Personen- und Frachtverkehr des Landes der Willkür von Dividenden machenden Gesellschaften preisgab, und es legt ein gutes Zeugnis für das Billigkeitsgefühl der Eisenbahnbeherrscher im Jahre 1887 ab, daß dieselben das Volk so gut behandelten, wie es geschah; da sie ja eigentlich thun und lassen konnte, was ihnen beliebte.“