„Würde ein solches Gesetz nicht als ein Abkühlungsmittel auf den Unternehmungsgeist gewirkt und den Wettbewerb gelähmt haben, den Sie stets als den Urquell alles menschlichen Fortschritts preisen?“ fragte ich.
„Es hätte nur die Ansammlung ungeheurer Vermögen verhindert und den Wettbewerb nicht gehindert, sondern im Gegenteile geschützt,“ gab Forest zur Antwort. „Leute, welche zwanzig, oder fünfzig Millionen Dollars besaßen und diese großen Geldmittel rücksichtslos im „Kampfe um das Dasein“ verwendeten, waren gefährlicher, als Diebe und Einbrecher. Sie konnten jede Konkurrenz weniger bemittelter Bewerber vernichten und oft bedienten sie sich erbarmungslos ihrer Macht. Sie traten den Wettbewerb tot, vermehrten ihre Millionen und bahnten dem fluchwürdigen Kommunismus den Weg. War es nicht ein großes Unrecht, daß ein Mensch, welcher durch allerlei Mittel ein großes Vermögen angesammelt hatte, dieses unverkürzt einem Sohne hinterlassen konnte, letzteren in den Stand setzend, die Abschlachtung der Konkurrenten und die Vermehrung der Millionen fortzusetzen? Was konnte der tüchtigste Mensch in vielen Berufszweigen erzielen, wenn er auf einen anderen Menschen stieß, der vielleicht geringere Fähigkeiten, aber viel Geld und kein Gewissen besaß und seine Millionen in der rücksichtslosesten Weise zum Verderben seiner Konkurrenten benützte. — Nein! Reiche Eltern mögen immer für ihre Kinder ein ansehnliches Vermögen hinterlassen, welches ihre Lieblinge gegen Nahrungssorgen sicher stellt; aber sie sollten ihre Kinder nicht in den Stand setzen, die Kinder ärmerer Eltern im Kampfe ums Dasein an die Wand zu drücken und im Wettbewerb töten.“
„Eine solche Erbschaftssteuer würde in meiner Zeit erbitterten Widerstand gefunden haben,“ bemerkte ich.
„Wohl möglich,“ entgegnete Forest. „Wahrscheinlich hätten jene kurzsichtigen Millionäre, welche durch ihr Treiben den Kommunismus heraufbeschworen, Einwand dagegen erhoben. Ich bin nichts destoweniger der Meinung, daß solch ein Gesetz nicht nur der Menschheit im allgemeinen, sondern auch den Kindern der Millionäre genützt haben würde. Nur ein Gesetz dieser Art, welches die Zertrümmerung der Riesenvermögen bewirkt haben würde, hätte den Ansturm des Kommunismus und der Anarchie zurückwerfen können. Jemand, der 250 000 Dollars erbte, hätte mit dieser Summe wohl zufrieden sein und den Überschuß der Erbschaft dem Gemeinwesen willig abgeben können. Durch Aufopferung eines Teiles der Erbschaft hätten die Erben jener Riesenvermögen den Rest gerettet und den Kommunismus geschwächt. Außerdem erscheint es mir sehr zweifelhaft, daß der Besitz großer Reichtümer deren Eigentümer gut, oder glücklich machte.“
„Wenn im Jahre 1887 in den Ver. Staaten ein solches Gesetz erlassen worden wäre, würden die meisten Millionäre ihren Besitz zu Gelde gemacht haben und nach Europa ausgewandert sein,“ wendete ich den Auseinandersetzungen Forests gegenüber ein.
Dieser erwiderte: „Das glaube ich auch. Aber derjenige, der einen großen Besitz antritt, den er nicht erworben hat, kann sehr wohl eine hohe Abgabe an die Gemeinde entrichten und die durch eine derartige Erbschaftssteuer bewirkte Zerstücklung der großen Vermögen hätte den kommunistischen Wühlereien die Spitze abgebrochen. Selbstverständlich hätte eine solche Steuer nach vorangegangenen internationalen Verhandlungen in allen größeren Kulturstaaten gleichzeitig eingeführt werden müssen.“
„Die Versuchung, die hohe Abgabe zu vermeiden, würde sehr groß gewesen sein,“ machte ich geltend. „Viele Leute würden es versucht haben, die Steuer teilweise zu umgehen, indem sie die Erbschaften den Behörden gegenüber kleiner angaben, als sie wirklich waren; oder indem sie schon bei Lebzeiten ihren Kindern und Verwandten einen Teil der Erbschaft schenkten.“
„Der Versuch der Steuerbetrügerei hätte mit Wegnahme des gesamten Eigentums bestraft werden können,“ sagte Forest, „die Geschenke dagegen hätten ebenso besteuert werden können, wie die Erbschaften. Angesichts der Gerechtigkeit und der wohlthätigen Wirkungen eines solchen Gesetzes hätte man einige Beschwerlichkeiten in der Durchführung schon mit in den Kauf nehmen können; zumal diese Schwierigkeiten sich nur anfangs schroff geltend gemacht haben würden. Sobald der Betrieb der Eisenbahn- und Telegraphenlinien an die Ver. Staaten, der Betrieb der Industrie und der Handel mit Lebensbedürfnissen dagegen an die Genossenschaften übergegangen wäre, würden Vermögen im Betrage von 50 oder 100 Millionen Dollars zu den gewesenen Dingen gehört haben; denn alle diese Einrichtungen hätten ebenso wohl der Verarmung wie der Anhäufung großer Reichtümer entgegen gewirkt. Die Zahl der Agenten und Zwischenhändler würde bedeutend vermindert worden sein, jeder Mann wäre zu einer nutzbringenden Thätigkeit ermutigt worden und würde einen Lohn empfangen haben, welcher der Güte und Menge seiner Leistungen entsprochen hätte.“
„Würden nicht solche Cliquen und Sippen sich gebildet haben, wie diejenigen, welche nach Ihrer Behauptung Ihre Regierung beeinflussen?“ fragte ich. „Und würden diese Sippen nicht die Leitung der Fabrikations- und Verbrauchsgenossenschaften an sich gerissen haben? Hätten nicht Cliquen den guten Arbeiter zu gering, den begünstigten schlechten Arbeiter zu hoch bezahlen können?“