„Solche Fälle hätten wohl eintreten können, würden aber zur Folge gehabt haben, daß die tüchtigen Arbeiter eine Genossenschaft verlassen hätten, in welcher sie zu Gunsten der Faulenzer und Pfuscher betrogen wurden. Sie hätten leicht Aufnahme in einer andern Genossenschaft gefunden; denn gute Arbeiter werden überall da gewürdigt, wo der Wettbewerb herrscht. Dagegen würde eine Genossenschaft, welche ihre tüchtigsten Arbeiter vertrieben hätte, in ihren Leistungen zurückgegangen und unfähig geworden sein, den Wettbewerb ferner auszuhalten. Derartige Schwierigkeiten würden sich also sehr leicht ausgeglichen haben.“
„Natürlich müssen Sie auf Gegenseitigkeit beruhende Versicherungsgesellschaften unter den Berufsgenossenschaften befürworten, Gesellschaften, welche alle Beteiligten gegen Unfälle, Krankheiten, Arbeitsunfähigkeit jeder Art sicher stellten und in einem gewissen Alter eine Pension gewährten,“ sagte ich. „Und wahrscheinlich würden diese Versicherungsgesellschaften auch Feuer- und Lebenspolicen ausgestellt haben.“
„Dies würde allerdings eine Folge des Systems gewesen sein, welches die wenigen Vorteile, die der Kommunismus bietet, mit den Wohlthaten vereint, die aus dem Wettbewerbe erwachsen,“ antwortete Forest.
„Würden Sie die Einwanderung ermutigt haben?“ fragte ich weiter. „Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren viele ehrliche, wohlmeinende, durchaus nicht engherzige Leute, die niemand des Fremdenhasses beschuldigen durfte, der Ansicht, daß die Ver. Staaten alle fremden Elemente aufgenommen hätten, welche sie allenfalls verdauen konnten und daß der Rest der Bundesländereien für die Kinder der Bewohner der Ver. Staaten aufgehoben werden sollte. Die Abneigung gegen weitere Einwanderung war großenteils durch die deutschen und irischen ‚Dynamiteriche‘ verschuldet worden.“
„Ich kann mir vorstellen,“ entgegnete Forest, „daß manche Sitten und Schrullen der Einwanderer Ihrer Zeit den eingeborenen Amerikanern anstößig erschienen, und daß die Verbrechen der Dynamitwüteriche gegen die Gesetze des Landes, das sie gastfrei aufgenommen hatte, eine tiefe Entrüstung bei den Angloamerikanern hervorgerufen haben mußten. Nichts destoweniger glaube ich, daß Ihre Zeitgenossen alle Ursache hatten, die Einwanderung zu ermutigen. Strenge Handhabung der Gesetze gegen alle Übertreter derselben, gegen die eingeborenen sowohl, wie gegen die eingewanderten, würde dem Lande sehr wohl gethan und alle Versuche überflüssig gemacht haben, die Einwanderung zu beschränken. Die wirklich anstößigen Einwanderer hätte man doch nicht aus dem Lande halten können, wenn sie hinein wollten; denn diese Leute wären, falls man ihnen die Häfen der Ver. Staaten verschlossen hätte, über Mexico oder Canada eingewandert.“
„Dieselben Gründe wurden zu meiner Zeit vielfach geltend gemacht,“ bemerkte ich zustimmend.
„Das vergleichsweise geringe Unheil, welches die Einwanderer anrichteten, wurde ganz in den Schatten gestellt durch den großen Nutzen, welcher dem Volke der Ver. Staaten aus dem europäischen Menschenstrom erwuchs,“ fuhr Forest fort. „Die einfache Thatsache, daß Hunderttausende gesunder Menschen, deren Aufzucht und Erziehung den europäischen Ländern mehrere hundert Millionen Dollars gekostet hatte, den amerikanischen Boden betraten, war ein großer Gewinn für die Ver. Staaten. Die bloße Anwesenheit dieser Männer und Frauen erhöhte den Wert des Landes da, wo sie sich niederließen; so die Grundeigentümer bereichernd. Viele der Einwanderer waren geschulte Arbeiter und Handwerker, andere Künstler und Gelehrte. Alle diese Männer und Frauen waren aber mit den Sitten, den Geschäftsgebräuchen, den Landesverhältnissen und oft auch mit der englischen Sprache nicht vertraut. Sie mußten daher fast ausnahmslos beim Beginn ihrer amerikanischen Thätigkeit die untersten Plätze im amerikanischen Erwerbsleben einnehmen. Dadurch erhoben sie naturgemäß alle diejenigen, welche schon in den Ver. Staaten wohnten, zu mehr oder weniger höheren Stellungen im Leben.“
„Viele dieser Leute, welche aus allen Teilen Europas hierher kamen, waren befähigte und gebildete Menschen, welche mit der Zeit erfolgreiche Mitbewerber der älteren Ansiedler wurden. Aber der beständige Menschenstrom, welcher sich aus den europäischen Ländern nach den Ver. Staaten ergoß, bereicherte und erhob doch beständig das amerikanische Volk und alle die Schläge, welche gegen die Einwanderung gerichtet wurden, waren deshalb unklug. Die Gesetzgeber, welche solche Maßregeln befürworteten, erinnern mich an den Mann, welcher eine Gans schlachten wollte, die jeden Tag ein goldenes Ei legte.“
Nach einer kurzen Pause schloß Forest seine Auseinandersetzungen folgendermaßen: „Es ist natürlich ganz unmöglich, irgend welche Vorschläge zur Umgestaltung der Gesellschaft zu entwickeln, welche sich allgemeiner Zustimmung erfreuen könnten. Ich behaupte indes, daß alle solche Vorschläge zwei leitende Grundsätze verkörpern müssen. Alle Verbesserungsvorschläge sollten den Zweck haben, aus der menschlichen Gesellschaft die unverschuldete Armut zu verbannen, indem sie die Furcht vor derselben durch zweckmäßige Versicherungseinrichtungen beseitigen und sie sollten den Wettbewerb erhalten, die gewaltige Kraft, welche beständig jedermann anspornt, seine besten Kräfte einzusetzen, um sich selbst und die Menschheit auf einen höheren Standpunkt zu erheben.“