„Ich bezweifle, daß es politisch klug wäre, einen Aufruf an die Bürger zu erlassen,“ entgegnete der Doktor. „Durch einen solchen Schritt würde man der Verschwörung zu viel Bedeutung verleihen. Ich wollte, ich hätte diesen Fest unter ärztliche Behandlung gestellt, gleich nachdem er zum letztenmale mein Haus verließ. Er allein ist gefährlich. Sein Anhang bedeutet an sich nicht viel. Aber unter der Führung eines Menschen, der, wie Fest, eine gewisse rohe Beredsamkeit mit Kühnheit und persönlicher Kraft verbindet, kann eine Empörung immerhin gefährlich werden. Um das zu verhüten, habe ich Auftrag gegeben, den Hauptverschwörer zu verhaften und ihn an einem sichern Platze unter ärztliche Behandlung zu nehmen.“

Ich konnte diesen Schritt nicht gutheißen, obschon derselbe Erfolg versprach. Unangenehm berührte es mich, daß man einen politischen Feind nicht offen als solchen behandeln und unschädlich machen wollte, sondern daß man auch hier wieder von Heilanstalt und ärztlicher Behandlung faselte. Ich hielt es indes für nutzlos, in diesem Augenblicke meine Ansichten über diese Behandlungsart politischer Gegner auseinander zu setzen und fragte Herrn Leete nur, ob er einige Minuten für meine Angelegenheiten übrig habe. Ich hielt es für meine Pflicht, nunmehr offen mit Ediths Vater zu sprechen.

Mit seiner gewöhnlichen Güte wandte Dr. Leete sich zu mir und bat mich, wenn es mir nicht unangenehm sei, die Unterredung auf den nächsten Morgen zu verschieben.

Ich gab meine Zustimmung.

Wir gingen in das Speisezimmer und setzten uns zu Tische. Frau Leete hatte aus dem Kochhause ein leichtes Abendbrot holen lassen; aber niemand bekundete irgendwelche Eßlust. Wir alle waren in unruhiger Stimmung.

Dr. Leete blickte auf seine Uhr.

„Fest sollte sich jetzt bereits unter der Obhut der Beamten und Ärzte befinden,“ sagte er. „Ich erwarte einen Bericht.“

Nachdem einige weitere Minuten in unruhiger Erwartung vergangen waren, hörten wir Lärm auf der Straße. Eine große Volksmenge schien sich dem Hause zu nähern.

Die Hausthür wurde geöffnet und ein lärmender Volkshaufe füllte den Flur sowie das Speisezimmer. An der Spitze befand sich Fest, welcher offenbar einen heißen Kampf bestanden hatte. Sein wollenes Hemd war zerrissen und das Schlächterbeil, welches er in seiner Rechten hielt, triefte von Blut.

„Hier bin ich wieder, Dr. Leete,“ rief er mit seiner mächtigen, etwas heisern Stimme. „Ich habe Sie gewarnt und Ihnen gesagt, daß ich Ihr Haus nie wieder als Freund betreten würde. Und da Sie, verfluchter alter heuchlerischer Tyrann Befehl gegeben haben, mich gesunden Menschen in ein Tollhaus zu sperren, so habe ich beschlossen, daß Sie heute Abend noch sterben sollen. Das Volk von Boston soll von Ihrer Tyrannei befreit werden.“