„Na, was denn?“ fragte Heino freundlich und klemmte sich ein Monokel ins rechte Auge. „Das Essen ist Ihnen drüben zu schlecht, nicht wahr?“

„Allerdings. Außerdem aber möchte ich bemerken, daß wir in der Mehrzahl sind, es also wohl nicht nötig haben, uns von Ihnen hier aus dem Hotel de Russie verdrängen zu lassen!“

„Aber, mein lieber Herr Annuschat, wer spricht denn davon? Im Gegenteil, ich werde mich ganz außerordentlich freuen, Sie hier morgen zu begrüßen!“

„Ebenfalls,“ sagte der andere steif, „aber da wir, wie bereits bemerkt, in der Majorität sind, haben wir doch wohl auch das Recht, darüber zu bestimmen, mit wem wir verkehren wollen und mit wem nicht!“

Heino ließ sein Monokel fallen.

„Sieh mal an, so steht die Sache? Nun denn: Morgen mittag wird der Herr Referendar Brenitz hier an diesem Tische mein Gast sein. Sollte er wider Erwarten den Fisch mit dem Messer essen, bin ich als Erster bereit, gegen ihn und mich den Antrag auf Ausschließung zu stellen. Im anderen Falle aber erwarte ich von Ihnen, meine Herren, daß Sie ihm mit derjenigen Höflichkeit begegnen, die ich für meine Gäste beanspruchen darf.“

„Es geht doch aber absolut nicht,“ erwiderte der andere erregt, „daß Sie uns hier so ganz einfach Ihren Willen aufzwingen?“

Heino verneigte sich freundlich.

„Wieso nicht, Herr Annuschat? Gehen geht alles, es fragt sich nur, ob die anderen sich’s gefallen lassen. Ihnen aber möchte ich im speziellen den wirklich gut gemeinten Rat geben, morgen mittag meinem Gaste gegenüber in dem Ausdrucke Ihrer sogenannten Weltanschauung recht vorsichtig zu sein. Wenn ich mir mal ’was in meinen dicken Schädel gesetzt habe, kriege ich’s fertig, dafür selbst bis zu zwei Jahren Festung abzusitzen! Haben wir uns verstanden?“

„Vollkommen,“ sagte Herr Annuschat mit gemessener Verneigung, „mir jedoch verbietet’s meine Erziehung, anderen Leuten unerbetene Ratschläge zu erteilen. Ein jeder muß wohl selbst am besten wissen, was er zu tun oder zu lassen hat!“