„Meinen Wagen!“
Und als er fünf Minuten später in Ueberzieher und Zylinder auf die Straße trat, sah er mit ingrimmigem Lächeln zu den Fenstern hinauf, hinter denen die geborene Guggenheimer sich ihres Triumphes freute — mit ihrem adeligen Schwiegersohn.
Der Kutscher auf dem Bocke griff an den Hut.
„Jerusalemer Straße 21, Justizrat Wolff!“
Und mit einem kurzen Auflachen stieg der Geheimrat ein, wie jemand, der im Begriffe stand, einen guten Witz zu machen. Nur schade, daß er bei der Pointe nicht mehr dabei sein konnte! Aber die Vorfreude war auch etwas wert, und er sah ordentlich die langen Gesichter seiner Erben, wenn sie bei der Testamentseröffnung nachrechneten, was ihnen nach dem Abzuge aller Legate für wohltätige Stiftungen übrig blieb. So lange er lebte, hielt er das Brenitzsche Geld mit eiserner Hand, aber ein vorsichtiger Mann sorgte beizeiten dafür, daß sein Wille auch nach dem Tode respektiert wurde ...
Peter Brenitz hatte sich auf dem Schauplatze seiner neuen Tätigkeit umgesehen, und er gefiel ihm wohl. Aus den Fenstern der Vorderzimmer im Grand Hotel de Russie blickte er auf einen freien Platz, in dessen Mitte das übliche Kriegerdenkmal stand, eine geflügelte Viktoria auf einem Unterbau aus unbehauenen Findlingssteinen. Im Hintergrunde erhob sich ein altes Kirchlein mit schlankem Glockenturm, und freundliche Häuser mit sauberen Läden zogen sich zu beiden Seiten hin.
Aus dem Schlafzimmer aber bot sich die Aussicht auf den blauen Spiegel eines weitgestreckten Sees, sanft geschwungene Hügel umrahmten seine Ufer, und weit hinten in der Ferne grüßte der dunkle Saum des Waldes, lockte zum Wandern und Träumen ...
Die Zimmer waren hell und geräumig, auf dem Tische des sogenannten Salons prangte zum Willkomm ein großer Blumenstrauß, und Frau Popiella, die rundliche Gattin des Wirtes, knickste und dienerte.
„Aber bester, trautster Herr Referendarius, bloß von acht Tagen kann ja gar keine Rede sein, so rasch lassen wir Sie nich weg, i wo nein, Sie tragen uns ja die Ruh aus dem Haus!“