„Meldungshalber. Mein Name ist Brenitz, ich bin an das hiesige Amtsgericht versetzt worden.“

„Ah so, Sie sind der neue Herr Kollege aus Berlin? Bergkem! Und, bitte, nehmen Sie Platz!“

Der lange Heino hob sich zu einer leichten Verneigung und deutete nach dem nächsten Stuhle. Scheußlich patent sah dieser Herr Brenitz aus in dem modernen Gehrock, den diskret gestreiften Hosen und dem blanken Zylinderhute zwischen den in taubengrauen Handschuhen steckenden Händen. Nur ein Milderungsgrund war dabei, zwei ordentliche Schmisse, die quer über die Stirn liefen und zeigten, daß ihr Inhaber wenigstens kein „Kneifer“ war. Etwas freundlicher fügte er daher hinzu: „Ganz sicher ist es aber nicht, ob der Herr Oberkollege heute an Gerichtsstelle erscheint. Termine sind keine, und gestern abend hatte er, Gott sei Dank, einen recht kräftigen Gichtanfall.“

Peter Brenitz trat ein wenig näher, der lange Kollege gefiel ihm.

„Entschuldigen Sie gütigst, aber vorhin, als Sie sich vorstellten, habe ich Ihren werten Namen nicht verstanden.“

Der lange Heino erhob sich und sagte deutlich: „Heino Freier und Edler Herr von Bergkem-Przygorowski aus dem Hause Bergheim.“

Peter Brenitz aber fuhr vor freudigem Schrecke ordentlich zusammen.

„Verzeihung, Herr Kollege, aber es ist nicht bloße Neugier: war einer Ihrer Herren Verwandten vielleicht Leutnant im zweiten Garderegiment?“

„Zu dienen, so ziemlich alle. Das zweite Regiment war für uns Bergkems sozusagen Familientradition. Ich bin als erster aus der Art geschlagen, ich zog es vor, Kürassier zu werden.“

„Aber Ihr Herr Papa, nicht wahr, der hat doch den Sturm auf St. Privat mitgemacht?“