„Ach, Herr Kollege von Bergkem, Sie sind wohl so liebenswürdig, die erforderlichen Arrangements zu übernehmen?“
„Ich bedaure,“ erwiderte der lange Heino kühl, „das ist ausschließlich Sache des Herrn Unparteiischen. Hier sind die Waffen, zu deren Besorgung ich mich verpflichtet hatte,“ damit setzte er den Pistolenkasten vor dem Referendar Meyer nieder. „Alles übrige liegt jetzt in Ihrer Hand, Herr Kollege!“
Er trat zu seinem Paukanten zurück. In dem Kreise der Gegenpartei aber steckte man die Köpfe zusammen und nach einer längeren Belehrung durch den Steueramtsassistenten trat Herr Meyer endlich vor.
„Ich mache die Herren Paukanten darauf aufmerksam, daß es meine Pflicht ist, einen Versöhnungsversuch zu veranstalten.“
„Von unserer Seite aus abgelehnt,“ sagte der lange Heino.
„Na schön,“ bemerkte wiederum Herr Meyer und begab sich nach der empfangenen Instruktion an die Abmessung der Entfernung. Sprang dreimal je fünf Schritte ab und bezeichnete die Grenzen durch abgebrochene Zweige. Der Herr von Bergkem jedoch erklärte sich nicht einverstanden, schätzte die Entfernung für viel zu weit und verlangte im Auftrage seines Paukanten eine kürzere Bemessung.
„Sie wollen wohl mit Gewalt,“ flüsterte ihm der Referendar Meyer zu, „daß bei der Sache ein Unglücksfall vorkommt?“
„Das ist allerdings unsere feste Absicht,“ erwiderte der Herr von Bergkem. „Wenn Herr Provisor Kellmigkeit nicht die gleichen Intentionen hegen sollte, hätte er sich’s gestern überlegen müssen!“
Er trat mit höflichem Gruße zurück und sah zu seiner innigen Befriedigung die spitze Nase des Herrn Provisors noch um ein Endchen länger werden, während sich um die hohlliegenden Augen grünliche Schatten breiteten. Sein eigener Paukant sah auch nicht gerade festlich aus in seinem verregneten Sommerröckchen, aber er bewahrte wenigstens äußerlich eine korrekte Haltung ....
Es folgte das Laden der Pistolen, bei welchem schwierigen Geschäfte Heino notgedrungen aushelfen mußte, denn in der Behandlung von Vorderladern wußte selbst der Herr Steueramtsassistent Annuschat nicht Bescheid, und endlich standen sich die beiden Duellanten mit der Waffe in der Hand gegenüber. Der Kreisarzt hatte unter dem Schutze einer überhängenden Tanne sein schweres Besteck entfaltet, die Hähne über den blank funkelnden Zündhütchen waren verderbendrohend gespannt, vom trüben Himmel rann unablässig der feine Regen, und die Corona der Zuschauer, die sich zum Rande der Lichtung gezogen hatte, wartete bangen Herzens auf das Kommando des Unparteiischen.