Eine jähe Eifersucht krampfte sich ihm ins Herz, gleich danach aber atmete er erleichtert auf, denn die blonde Brigitte erwiderte die geräuschvolle Begrüßung des jungen Grafen mit merklicher Zurückhaltung. Sie reichte ihm kaum die Fingerspitzen ihrer schlanken Hand, und als er sich hinabbeugte, um ihr irgend etwas zuzuflüstern, wich sie mit einer unmutigen Bewegung aus. Da mußte Peter Brenitz an sich halten, um nicht laut aufzulachen, ein übermütiges Glücksgefühl strömte ihm durch Nerven und Adern, er blickte zu Brigitte hinüber, und ein leises Blinzeln ihrer blauen Augen kam als Antwort zurück. Gleich als hätte sie ihm sagen wollen: geh, gräm dich nicht, der ungeschlachte Gesell ist mir genau so widerwärtig wie dir ...
Die Gräfin Hellingen hatte nach umständlicher Begrüßung der Hausherrin Platz genommen. Frau von Bergkem legte ihr leicht die Hand auf den umfangreichen Arm und lud Peter mit freundlichem Winke zum Näherkommen ein.
„Gestatte, liebe Irmgard, daß ich Dir Herrn Referendar Brenitz vorstelle! Ein Freund meines Heino, und von seinem lieben Vater her unserer Familie besonders verbunden.“
Die Gräfin hob eine langgestielte Lorgnette vor ihr breites Gesicht mit dem tief hinabhängenden Doppelkinn und warf einen zerstreuten Blick auf den schmächtigen Jüngling.
„Brenitz, Brenitz? Mit einem Brenitz habe ich mal in meiner Jugend getanzt. Ich glaube, er war so was wie Deutzer Kürassier, und, nicht wahr, Sie stammen auch aus dem schönen Rheinland?“
Peter wußte nicht recht, was er antworten sollte, aber der lange Heino sprang für ihn ein. In seinen blauen Augen lachte der Schalk, aber er verneigte sich ganz ernsthaft.
„Du irrst Dich, Tante Irmgard, mein Freund stammt aus der jüdischen Linie dieses alten Geschlechts. Sie hat sich hervorragend um die Eroberung des Kurfürstendammes verdient gemacht, der Papa aber meines Freundes und der meinige besaßen bei St. Privat eine kleine Versicherungsbank auf Gegenseitigkeit. Sie retteten sich immer umschichtig das Leben!“
„Sieh mal an,“ sagte die Gräfin Hellingen, „wie interessant!“ Sie hob von neuem die Lorgnette zu flüchtigem Blicke, gleich danach aber wandte sie sich zu der Frau von Bergkem. Der Fall Brenitz war für sie erledigt.
„Sag mal, liebe Mieze, ich bin da vorhin an einem Roggenschlag vorbeigekommen, er war wenig erfreulich, und wenn mir Dein Inspektor zur Hand gewesen wär’, hätte ich ihm gründlich den Marsch geblasen. Alle Spann’ lang einen Halm und oben statt Aehren lauter „Bremsenköppe“. Versteht der Mensch nichts von der Landwirtschaft, oder hat er im Herbst vielleicht nicht genug Dung gehabt?“
„Auch ’ne Gemeinheit, erklär’ Ihnen alles später,“ raunte Heino seinem Gaste zu und räusperte sich mit höflicher Verneigung.