Peter sah dankbar zu seinem Freunde hinüber. Dieser aber lachte, wie es seine Art war, kurz auf.
„Na also, abgemacht! Und haben Sie ’ne Ahnung von Orchideen?“
„Ein wenig,“ versetzte Peter leicht verwundert, „aber was hat das mit unserm Thema zu tun?“
„’ne Masse! Und können Sie auch, wenn Sie so ’ne Pflanze in die Hand kriegen, mit der gravitätischen Miene eines Sachverständigen Kohl darüber reden?“
„Ich denke doch! Mein seliger Vater war ein großer Blumenfreund, und auf einem unserer Terrains da draußen nach Lichterfelde zu stehen noch heute die Gewächshäuser!“
„Na, Menschenskind, dann ist ja alles in der schönsten Ordnung, denn die gräfliche Dampfwalze hat sich in neuerer Zeit auf die Orchideenkultur geworfen, weil ihr irgend jemand eingeredet haben mag, das wäre besonders vornehm. Zum nächsten Sonntag also lassen Sie sich aus Berlin einen dicken Strauß von diesen Dingern kommen, schwingen sich damit in Ihr Auto, und ich will zeitlebens Wasser trinken, wenn Sie nicht gleich zum Mittagessen dabehalten werden!“
Peter Brenitz blickte nachdenklich über den weiten Raum des Gutshofes. Langgestreckte Scheunen mit verwitterten Ziegeldächern rahmten ihn ein, allerhand Ackergerät lag und stand herum, drüben aber von der anderen Seite her leuchtete ein hellblaues Kleid ... Da lächelte er seinem Freunde zu: „Sie haben recht, ich muß wirklich mehr unter Menschen, und ich bin Ihnen von Herzen dankbar!“
Daß es ihm dabei im Augenblick weniger um seine Ideale ging, kam ihm vielleicht gar nicht zum Bewußtsein, aber wie sollte er die blonde Brigitte wiedersehen, wenn er sich selbst von der Gesellschaft abschloß, mit der sie verkehrte? Oder gar dem ungeschlachten Burschen den Platz räumte, der mit begehrlichen Augen um sie herumstrich ... Und aus dieser eifersüchtigen Regung entsprang ihm plötzlich die Frage: „Sagen Sie mal, Herr Kollege, wie ist die Familie Hellingen eigentlich mit Ihnen verwandt?“
„Die Hellingens mit uns?“
Der lange Heino blieb stehen und sah grübelnd auf den grünen Rasen hinab. „Warten Sie mal ... im siebzehnten Jahrhundert hat mal ein Hellingen eine Bergkem geheiratet, oder umgekehrt. Genau weiß ich’s nicht, dazu müßte ich erst die Familienchronik wälzen!“