„Ich glaube, es ist nichts passiert, Herr Graf, er kann alle Finger bewegen, und das Schlimmste wird wohl der Schreck gewesen sein!“

„Nein, ich bin’s,“ sagte Brigitte, „der andere steht draußen und mokiert sich. Aber das ist famos, besser hätten Sie ihn gar nicht ärgern können.“

Ueber Peters schmales Gesicht huschte ein verlegenes Lächeln.

„Verzeihen Sie, daran hatte ich im Augenblick wirklich nicht gedacht, und ich muß um Entschuldigung bitten, daß ich mich da gewissermaßen vorgedrängt habe. Dem Herrn Grafen tut’s sicherlich auch recht leid, nur ...“

„Ja,“ fiel Brigitte feindselig ein, „nur er hat eine andere Art, sein Mitleid auszudrücken. Und Sie bekämen’s wahrhaftig fertig, ihn noch in Schutz zu nehmen!“

„Er hat’s gewiß nicht gerne getan, und das andere liegt wohl nur an seiner Erziehung. Wer in so bevorzugter Stellung aufwächst, lernt schwer einen richtigen Maßstab für all das Armselige, was zu seinen Füßen kriecht!“

„Sie sind ein komischer Mensch,“ sagte Brigitte, sah ihn groß an. „Und ist das wahr, was Heino eben draußen erzählte, daß Sie nämlich ...“ Sie stockte einen Augenblick, dann warf sie mit einer kurzen Bewegung den Kopf in den Nacken: „also, daß Sie noch nie ein Mädchen geküßt haben?“

Peter wurde rot bis unter die Haarwurzeln.

„Es ist sehr unrecht von Ihrem Herrn Bruder, daß er etwas, das nur für ihn bestimmt war, vor anderen weitererzählt. Die lachen vielleicht darüber! Aber weshalb soll ich es leugnen? Es ist ja wahr und wohl auch keine Schande. Früher hielt ich’s für unwürdig, heute aber“ — seine Brust dehnte sich unter einem tiefen Atemzuge — „heute wäre mir zumute, als würde ich damit ein Heiligtum entweihen, das ich in meinem Herzen trage.“

„Ich habe nicht gelacht,“ sagte Brigitte ernsthaft, gleich danach aber wurde sie verlegen. „Kommen Sie, bitte, die anderen warten draußen!“ Und sie wandte sich zur Tür.