Peter nickte freundlich.

„Bitte, gehen Sie voran, und entschuldigen Sie mich für einen Augenblick. Ich will nur zusehen, ob ich meinen kleinen Patienten hier irgendwo in sichere Hände abliefern kann.“

Die Tür hatte sich geschlossen, und Peter sah sich in dem dämmerigen Raume um. Feuchter Ruß klebte an den Wänden, in einer Ecke stand ein Lehmherd, auf dem ein Kohlenfeuer schwelte, irdene Töpfe hingen an einem Gestell, und über einem zerbrochenen Stuhl lag ein geflickter Kittel. Ihm aber war zumute, als stände er in einem goldschimmernden Palast, einem Palast, in dem eben sein Glück geboren war ...

Aus einer niedrigen Seitentür trat eine abgearbeitete Frauengestalt, trocknete sich die feuchten Hände an der Schürze und erging sich in demütigen Entschuldigungen.

„Ach Gott, gnädiger Herr, seien Se nich bös! Ich stand an der Waschtonn’, und da is er mir weggekrochen. Und hätten Se ihm man noch ordentlich eins drauf gegeben, dem naseweisschen Bengel! Was hat er da ’rumzukraufen, wo die gnädigen Herrschaften stehen?“

Der Kleine fing wieder an zu schreien, Peter aber sprach ihm beruhigend zu und glaubte mit einem Male zu verstehen, weshalb der junge Graf Hellingen achtlos weitergegangen war, als sein schwerer Fuß das am Boden liegende Kind gestreift hatte. Wie sollten die Herren anders sein, wenn rings um sie knechtische Demut war, die nach empfangener Wehtat unterwürfig um Verzeihung bat?!

Ein unsägliches Mitleid quoll ihm im Herzen empor, er griff in die Tasche und legte neben dem Kinde, was er an kleinem Gelde bei sich trug, auf den Schemel. Es schien ihm herzlich wenig, ein paar Goldstücke nur und etliches Silbergeld, das arme Tagelöhnerweiblein aber starrte ordentlich erschrocken hin.

„Gnädiger Herr, und das soll ich? ...“ Es haschte nach seiner Hand: „Trautester, goldenster gnäd’ger Herr, schön Dank, und der liebe Gott vergelt’s Ihnen hunderttausendmal. Was Sie sich man bloß wünschen, schon soll es da sein, und Glück soll immer bei Ihnen sein!“

Da lachte Peter wieder fröhlich auf.

„Glück, liebe Frau? Glück kann man immer brauchen, aber eben war es da, und so Gott will, werd’ ich’s draußen wiederfinden!“ — — —