Als Peter auf den Hofraum trat, sah er vor der Freitreppe sein Auto halten. Der brave Meltzer war abgestiegen, erklärte den Herrschaften in einem mit Fachausdrücken reichlich gespickten Berlinisch die Maschine, und auch die beiden alten Damen, die von der Parkveranda gekommen waren, hörten mit Interesse zu. Der lange Heino winkte mit der Hand und rief hinüber: „Brenitz, die Komteß und meine Schwester haben noch nie in so einem Ding gesessen! Darf Ihr Chauffeur sie mal ’n bißchen rumkutschieren?“
„Aber mit Vergnügen,“ rief Peter zurück und lief eilig hinzu, um seinem Wagenlenker die größte Vorsicht einzuschärfen. Herr Meltzer salutierte militärisch.
„Befehl, Herr Doktor, wird nischt passieren. So ’ne noble Fuhre schmeißt man nich um!“
Die jungen Damen stiegen lachend ein, auch das Elefantenküken folgte, und die Gräfinmutter richtete ihr Lorgnon auf Peter, als wollte sie sich diesen Referendarius in seiner Eigenschaft als Automobilbesitzer noch einmal genauer ansehen. Am liebsten wäre sie ebenfalls mitgefahren, aber ein prüfender Blick auf die schmalen Wagensitze hatte sie leider belehrt, daß die Ausführung dieses Vorsatzes auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen mußte ...
Der lange Heino kniff seinen Gast in den Arm.
„Ihre Aktien steigen riesig, der rotlackierte Kasten hat ihr mächtig imponiert, und nachher lass’ ich die Orchideen steigen. In fünf Minuten sind Sie eingeladen!“
Herr Meltzer kurbelte den Motor an, schwang sich in den Führersitz und fuhr mit erster Geschwindigkeit ab, um nach einigen Wagenlängen gleich die zweite einzustellen. Puffend und knatternd stob das Auto von dannen, um in wenigen Augenblicken am Hoftor hinter einer Staubwolke zu verschwinden. Die Gräfinmutter wehte begeistert mit einem Taschentuche, und Heino näherte sich ihr listig.
„Liebe Tante Irmgard, das wird Dich gewiß auch interessieren: Mein Freund Brenitz teilt eine Deiner Hauptpassionen. Er ist ebenfalls ein begeisterter Orchideenzüchter, und seine Gewächshäuser sind geradezu eine Sehenswürdigkeit von Berlin. Sie liegen auf seinen großen Terrains, nach Lichterfelde zu, und ja, ich sage Dir, es ist kolossal, was für Orchideen da wachsen! In allen Farben und wie Milchschüsseln so groß.“
„Mein lieber Junge,“ sagte die Gräfin belehrend, „bei Orchideen kommt es nicht auf die Farbe und Größe an, sondern auf die Seltenheit. Ich habe eine, die ist kaum wie ein kleines Nelkchen so groß, und sie kostet fünfhundert Mark! Lang’ aber werd’ ich sie nicht mehr züchten, denn sie fängt schon an, ziemlich gemein zu werden, auf der letzten Ausstellung in Königsberg waren schon sechs Stück!“ Und nach diesen, mehr für die Allgemeinheit gesprochenen Worten wandte sie sich mit einem wohlwollenden Lorgnettenschwunge zu Peter.