„Also Sie züchten auch Orchideen! Nun, es ist jedenfalls das Zeichen eines exquisiten Geschmacks. Es wäre mir interessant, gelegentlich Ihr Urteil über meine Gewächshäuser zu hören. Wenn Sie Ihr Weg einmal in die Nähe von Hellingenau führt, wird es mir ein Vergnügen machen, sie Ihnen zu zeigen.“
Peter verneigte sich höflich: „Es wird mir eine hohe Ehre sein, gnädigste Frau Gräfin,“ und der lange Heino sah triumphierend zu ihm hinüber. Die Gräfinmutter aber wandte sich zu Frau von Bergkem, denn sie fand, fürs erste hätte dieser dunkle junge Referendarius genug Huldbeweise empfangen.
Das Auto erschien wieder im Außentor, fuhr eine elegante Schleife im Hofraum, um vor der Freitreppe zu halten, Brigitte stieg als erste aus.
„Himmlisch,“ sagte sie und schüttelte Peter die Hand. Die Wunschmaid folgte ihr auf dem Fuße: „Gottvoll,“ und schließlich stellte sich auch der lange Hanns mit einem Händedruck ein: „Tadellos! Ich bin ja in Berlin schon oft genug gefahren, aber Ihr Chauffeur hat ein Tempo am Leibe: großartig! Hat mich auf die Idee gebracht, mir auch so’n Dings zuzulegen, und, pardon, was kostet so ’ne Maschine mit allem Klimbim per Jahr?“
Peter lächelte verlegen.
„Das müssen Sie gütigst meinen Chauffeur fragen, ich habe keine Ahnung.“
Er wußte es wirklich nicht, denn er hatte sich noch niemals die Mühe gemacht, die Rechnungen des Herrn Meltzer am Jahresschlusse zusammenzuzählen, mit dieser Antwort aber verstärkte er, ohne zu wollen, den bisher erzielten günstigen Eindruck um ein Bedeutendes. Der lange Heino hatte vorhin schon gelegentlich ein paar Worte über den immensen Reichtum seines Freundes fallen lassen, und das rote Gold übte wie überall seine Zauberwirkung, auch auf die stolze Gräfinmutter von Hellingenau ...
Als Peter nach kurzem Abschiede davongefahren war, um die amtsgerichtsrätliche Familie nicht durch unangemessenes Zuspätkommen zu kränken, äußerte sie wohlwollend:
„Ein recht sympathischer junger Mann, dieser Referendarius Brenitz, und ich finde, nicht nur im beschränkten Kreise präsentabel. Hätte Heino mich nicht darauf aufmerksam gemacht, wär’ es mir nicht im Traume eingefallen, ihn für einen Israeliten zu halten. Ueberhaupt, wer will heutzutage nach dem Aeußern eines Menschen urteilen? Ich kenne Prinzen, die von irgendeiner Urgroßmutter her in Zivil so aussehen, als wollten sie einem alte Hosen verkaufen. Auf das Innere kommt es bei ’nem Menschen an, und ich muß gestehen, auch in der Hinsicht hat dieser junge Mann auf mich einen recht vorteilhaften Eindruck gemacht. Liebenswürdig, bescheiden und zurückhaltend. Jedenfalls werde ich’s mir angelegen sein lassen, ihn zu protegieren, soweit es in meinen schwachen Kräften steht.“
So lobte die Gräfin von Hellingen vor Brigittens eifrig zuhörenden Ohren den abwesenden Peter Brenitz, und in ihrem allzeit auf Mehrung des Familiengutes bedachten Sinne regte sich der Gedanke, ob sich hier nicht eine Möglichkeit bieten könnte, ihren anwesenden Einzigen vor einer wenig vorteilhaften Verbindung zu bewahren. Frau von Bergkem aber blickte noch bedrückter drein als sonst und neigte sorgenvoll den vorzeitig gebleichten Scheitel, denn sie glaubte zu verstehen, was die andere dachte. Ein langgehegter Plan schien ihr ins Wanken zu geraten, auf den sie das Schicksal ihres Hauses gebaut hatte, ein Luftschloß vielleicht nur, aber in allen Nöten und Sorgen des Tages war es ihr immer für sich und die Ihrigen als letzte Zuflucht erschienen ...