Endlich kam Heino wieder, er hatte zu der abendlichen Pirschfahrt schon hohe Stiefel und Jagdrock angezogen. Die Mutter trat ihm mit fragendem Blick entgegen, er aber lachte.

„Hat nichts auf sich, das gnädige Freifräulein wird sich wohl gestern abend an irgend ’was den Magen verdorben haben. Ich hab’ ihr den Puls gefühlt und geraten, sich kalte Umschläge auf den Kopf zu machen. Das wär’ gegen solche Kinderkrankheiten das allerbeste Mittel.“

„Und wird sie aufstehen?“ fragte Frau von Bergkem. Heino jedoch zuckte mit den Achseln.

„Abwarten, Mutti! Ich hab’ ihr von der neuen Doppelbüchse erzählt, die mir Herr Kollege Brenitz dediziert hat. Wenn’s unten im Park zu knallen anfängt, wird sie’s wohl oben nicht aushalten.“

Auch dies sprach er lachend, aber die finstere Falte zwischen seinen Augenbrauen ging nicht fort, und er musterte den Freund mit einem merkwürdigen Blicke. Da fühlte Peter deutlich, daß ihn seine Ahnung nicht getrogen hatte. Auch die Worte, die Heino sprach, schienen eine geheime, nur der Mutter verständliche Bedeutung zu haben, und er beschloß, doppelt auf der Hut zu sein, von all dem, was ihm das Herz bewegte, nichts zu verraten ...

Unten im Parke erschien ein halbwüchsiger Junge mit einem Brette, und Heino stand auf.

„Kommen Sie, Brenitz, wollen die Büchse anschießen. Du aber, Mutti, laß uns einen ordentlichen Kaffee kochen und Kartoffelflinsen backen. Aber gleich ’ne gehörige Portion, denn mir schwant so, wir bekommen heut’ noch Gäste!“ Und als sie den langen Gang zwischen den kurzgeschorenen Tannenhecken hinunterschritten, um hinten im Park eine starke Linde als Kugelfang zu suchen, hob er plötzlich den schmalen Kopf.

„Sagen Sie mal, Kollege, haben Sie eigentlich Schwestern? Nicht? ... Na, dann danken Sie Gott, es ist ein herzlich undankbares Geschäft! Gibt man ihnen Zucker, wollen sie Honig, und na überhaupt, es ist ein Unfug, daß solche kleinen Frauenzimmer ’ne eigene Meinung haben wollen. „Inferiore Spezies“, wie Sie sich gestern ausdrückten, das ist das einzig richtige Wort, und gar nicht erst fragen, sondern einfach kommandieren, das Allerbeste!“

Peter hatte auf den Lippen: „ich hab’ meine Ansicht seit gestern beträchtlich geändert,“ aber er hielt noch rechtzeitig inne. Nur da er doch irgend etwas sagen mußte, bemerkte er, er fühlte sich zu der Entscheidung einer anscheinend so schweren Frage nicht berufen. Aber auch ihm wollte es scheinen, als wenn siebzehnjährige junge Damen im allgemeinen wohl noch nicht die erforderliche Einsicht besäßen, um über die Tragweite ihrer Entschließungen ein zutreffendes Urteil zu haben.

„Großartig,“ sagte der lange Heino mit einem seltsam trockenen Auflachen und schlug seinen Begleiter kräftig auf die Schulter. „Mir ganz aus der Seele gesprochen, und wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen, sagen Sie’s ihr bei Gelegenheit wieder!“