„Silentium für den Herrn von Bergkem!“
„Danke! Also, Herr Kellmigkeit, wenn ich fragen darf: Versprechen Sie sich von der Annahme Ihres Antrages und dessen konsequenter Durchführung irgendeine erzieherische Wirkung?“
„Wie meinen Sie das?“
„Nun, sehr einfach. Glauben Sie, daß die Ausschließung aus unserer Tischgesellschaft auf den Herrn Referendarius Brenitz so niederschmetternd wirken wird, daß er danach in sich geht und den in diesem Kreise Anstoß erregenden Glauben seiner Väter ablegt?“
Der Herr Vorsitzende lächelte nachsichtig.
„Wieder ’mal eins Ihrer beliebten Scherzchen, Herr von Bergkem! Ich bemerke dazu, daß der in Rede stehende Gegenstand, wenn ich so sagen darf, gewissermaßen die Wahrung unserer heiligsten Güter, uns allen zu ernst sein dürfte, um denselben humoristisch zu behandeln. Was die Sache selbst anlangt ...“
„Einen Augenblick, Herr Kellmigkeit,“ unterbrach ihn Heino. „Ich konstatiere hiermit, daß meine Anfrage natürlich den Anspruch erhebt, ebenso ernst genommen zu werden wie alle sonstigen Verhandlungen in diesem Kreise. Eine Bemerkung unseres Herrn Vorsitzenden veranlaßt mich jedoch zur Stellung einer Unterfrage. Halten Sie das, was Herr Kellmigkeit soeben unsere heiligsten Güter nannte, für bedroht, falls Herr Referendarius Brenitz Mitglied dieser Tischgesellschaft wird? Sub 1, bedroht durch das schlechte Beispiel der genannten Persönlichkeit oder, sub 2, bedroht durch unsere eigene mangelnde Festigkeit in germanischer Sitte und Weltanschauung?“
Jetzt wurde der Herr Provisor ärgerlich. Er schwang eine Weile lang seine Glocke und bemerkte dann mit rotem Kopfe: „Ich lehne es ab, aufs strikteste ab, die Fragen unseres Mitgliedes, des Freiherrn von Bergkem, zu beantworten, nehme ihn vielmehr wegen Anulkung des Präsidiums in eine Ungebührstrafe von dreißig Pfennigen!“
Damit schob er die blecherne Sparbüchse vor Heinos Platz. Der Referendar Meyer aber, ein kleiner, dicker Herr mit verdächtig dunkler Haarfarbe, der schon während der vorausgegangenen Anfragen unruhig auf seinem Stuhle herumgerutscht war, hob die Hand.
„Ich beantrage Schluß der Debatte!“