„Aber, Onkel,“ versetzte Peter vorwurfsvoll, „es handelt sich bei dem allen doch um Dein Kind!“

Der Geheimrat sah ihn mit seinen klugen Augen an und lächelte schmerzlich.

„Mein Kind? ... Mein Kind werde ich wiederhaben, wenn die Scheidung ausgesprochen ist! In vier Wochen ist die Hochzeit, da kann ich’s mir ungefähr ausrechnen. Und anderthalb Millionen von dem Guggenheimerschen Geld sind schon weg, ein Teil für die Schulden, der größere aber für das Rittergut im Kreise Templin, das ich meinem Herrn Schwiegersohn verkauft habe. Keine Ahnung hat der Kerl von der Landwirtschaft, denn er hat mir mehr als zweimalhunderttausend Mark über den reellen Wert gezahlt.“

„Wie,“ fragte Peter erstaunt, „Du hättest Deinem zukünftigen Schwiegersohn —?“

Und der Geheimrat Brenitz unterbrach ihn schmunzelnd. „Natürlich! Oder hätte ich bei dem Geschäft vielleicht einen anderen verdienen lassen sollen? Die geborene Guggenheimer hat selbstverständlich keine Ahnung, daß ich das Objekt an der Hand hatte, aber sie wird mir für die geretteten 200000 Mark noch mal von Herzen danken!“

So plauderte der alte Herr mit ingrimmigem Humor von den Sorgen, die sein Herz erfüllten, bis Peter ihn mit leiser Mahnung an die Erfüllung seiner Bitte erinnerte. Da sagte er: „Ja, richtig, fast hätte ich’s vergessen! Also schreib nur Dein Gesuch an die zuständige Stelle. Ich werde mich darum bemühen, daß es auch bewilligt wird. Und wo möchtest Du am liebsten hin? Nach Berlin?“

„Wenn’s möglich wäre, gerne,“ erwiderte Peter.

„Möglich ist alles, mein Sohn, man muß nur vor die rechte Schmiede gehen. Und mir wär’s auch das allerliebste. Man hat sich doch bei der Hand, wenn was passiert, oder wenn einen der Zorn überkommt, und man braucht einen vernünftigen Zuhörer, um sich Luft zu machen“ ...

Damit reichte der alte Herr seinem Neffen die Hand; als Peter aber schon in der Tür stand, winkte er ihn noch einmal zurück, denn er hatte noch eine kleine Bosheit auf dem Herzen.

„Die geborene Guggenheimer gibt nächsten Donnerstag in meiner Villa in Wannsee einen bal champêtre. Ich sag’s Dir bloß, falls Du vielleicht Lust dazu haben solltest, denn ich geh’ nicht hin. Die Gesellschaft ist mir zu antisemitisch!“