„Brutal?“ Peter kniff schmerzlich die Lippen zusammen. „Brutal dürfte nicht ganz der richtige Ausdruck sein. Vielleicht ist es Trauer und Zorn, daß ein Mensch von Ihren glänzenden Fähigkeiten und Anlagen rettungslos einem so unrühmlichen Ende zusteuert.“

Der lange Heino hatte seine Fassung wiedergefunden und lachte spöttisch auf:

„Ach nee! Dann hätte ich also Ihre düstere Prophezeiung gewissermaßen als Ausdruck einer übertriebenen Wertschätzung aufzufassen? Aber beruhigen Sie sich, gutes Peterlein, es stimmt nicht! Erstens verfüge ich noch immer über etliche Reserven auf der Deutschen Bank — entschuldigen Sie, daß ich mit meinen paar Däusern zur Konkurrenz gegangen bin, ja — und zweitens: Was wollen Sie wetten, daß morgen der Herr Präses der Prüfungskommission sein Tintenfaß ergreift, um auf meine stupenden Kenntnisse einen Hochachtungssalamander zu reiben?“

„Heino!“ Peter Brenitz war ganz entrüstet — „das ist doch geradezu frivol! Sie haben in den letzten Monaten ja kaum ein Buch aufgemacht!“

„Woher wissen Sie das so genau? Vielleicht habe ich zuweilen herzhaft gebüffelt. Das heißt, was ich so büffeln nenne: Der eine braucht mehr und der andere weniger, um im entscheidenden Augenblick die hochwohllöbliche Prüfungskommission in Embarras zu versetzen. Im übrigen aber trinken Sie das nächste Mal nicht wieder so viel Selterswasser, wenn Sie mir beim Kartenspielen zusehen! Es bekommt Ihnen nicht, Sie sehen hinterher Männerchen!“

Er lüftete lässig den glänzenden Zylinderhut über dem korrekt gezogenen Scheitel und wollte sich zum Gehen wenden, der andere aber hielt ihn ängstlich am Rockärmel fest.

„Heino?“

„Na, was denn noch?“

„Wollen Sie mir wenigstens versprechen, morgen nachmittag, wie es auch ausgeht, zu mir zu kommen?“

Der lange Heino war wieder stehen geblieben und lachte auf. Aber es war nicht mehr das harmlos lustige Lachen, wie in alten Zeiten ...