„Sagen Sie mal, Kleiner, das Kinderfrauspielen können Sie wohl immer noch nicht lassen? Und womit verdiene ich eigentlich diese rührende Fürsorge? Das bißchen Hedderei mit den Herren der Masovia — Gott hab’ sie selig — die Bonzen, und der Provisor trägt’s Ihnen, glaub’ ich, heut’ noch nach, daß Sie ihn durch Ihre plötzliche Versetzung um die feierliche Abschiedsrede gebracht haben — ja also, das war alles doch so unbeträchtlich?! Und Sie haben sich doch in so festlicher Weise revanchiert, mit der prachtvollen Doppelbüchse, mit der jetzt Brigitte daheim die Przygorower Böcke schießt?!“ ..
„Weil ... weil ...“ Peter griff nach seinem Klemmer und geriet vor plötzlicher Verlegenheit fast ins Stottern, „also weil ich mir persönlich die schwersten Vorwürfe mache. Hätte ich Sie nicht in meinen Klub eingeführt, damals nach unserem Wiedersehen und dem heftigen Frühschoppen, hätten Sie sich nicht so maßlos angeschossen. Wenn ich alles zusammenrechne, haben Sie in diesen paar Monaten über vierzigtausend Mark verloren, und so weit ich Ihre Verhältnisse zu beurteilen vermag, übersteigt dieser Betrag in jeder Hinsicht die Ihnen gezogenen Grenzen!“
Der andere hob spöttisch die schmale Oberlippe mit dem modisch gestutzten Schnurrbärtchen.
„Er steigt sogar über den alten Turm auf meiner heimatlichen Klitsche. Aber haben Sie Angst, ich mache Sie vielleicht im Sinne des mit Recht so beliebten Bürgerlichen Gesetzbuches ersatzpflichtig?“
„Herr von Bergkem?!“ Peter schrie fast auf, in sein Gesicht trat eine dunkle Röte. Und es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder ruhig sprechen konnte.
„Sie hatten vorhin ganz recht, weshalb zerbreche ich mir eigentlich Ihren Kopf? Gewarnt habe ich Sie oft genug. Wer es nicht aushalten kann, soll nicht in einer Pokerpartie mitspielen, bei der man auf einen einzigen Sitz ein kleines Vermögen verlieren kann!“
Heino von Bergkem machte scheinbar ein ernstes Gesicht.
„Worte der Weisheit, edler Jüngling, und wahrhaftig, man soll es nicht! Vor allem aber nicht, wenn man, wie der ergebenst Unterfertigte, permanent schlechte Karten kriegt. Aber da unsere philosophischen Betrachtungen über die mangelhaften Einrichtungen der irdischen Weltordnung — ich finde es z. B. empörend, daß man beim Kartenspielen zuweilen auch verlieren kann — ja also, da unsere Betrachtungen doch irgendein praktisches Ergebnis haben müssen: Pumpen Sie mir bis morgen nach dem Examen dreihundert Mark! Ich lasterhaftes Individuum bin nämlich noch nicht gestimmt, schon jetzt in die Baba zu gehen. Ich möchte noch irgendwo einen Streifen Zigeunermusik hören und einige junge Damen mit Sekt auffüllen, bis sie nicht mehr können. Das ist dann immer sehr gemütlich, und ich finde, nichts bereitet so gut für geistige Anstrengungen vor, als der gänzliche Stumpfsinn. Na, und wie ist’s nun? Wollen wir uns wieder vertragen? Und kommen Sie mit?“
Peter zog seine Brieftasche.
„Ich bedaure, ich möchte lieber schlafen gehen!“