„So, so, ganz allein? Na, denn geh’ nur, mein Töchterchen, und hast Du dem Vetter schon Dein Geheimnis verraten?“ ...
„Noch nicht, Papa,“ erwiderte Fräulein Adelheid und verließ mit verschämtem Erröten das Zimmer.
Onkel Reineke aber ging erst ein Weilchen auf und ab und blieb schließlich stehen, die Hände auf dem sanft gerundeten Bäuchlein gefaltet.
„Also, lieber Heino, falls Du nach Deinem Mißgeschick im Examen — der Kollege Breidtschwert hat’s mir schon vor mehr als ’ner Stunde telephonisch nach dem Amte gemeldet, und Du erinnerst Dich vielleicht, daß er in Deiner Prüfungskommission saß — ja also, wenn Du vielleicht jetzt bezüglich meiner Tochter Deinen Sinn plötzlich geändert haben solltest, so bedaure ich, Dir mitteilen zu müssen, daß es dafür zu spät ist. Ein jüngerer, in mein Amt versetzter Kollege bewirbt sich ernsthaft um ihre Hand. Ich bin geneigt, diesem Liebesbunde meinen väterlichen Segen zu geben.“
Heino griff sich nach dem Halse, ein Ekel stieg ihm auf, aber er bezwang sich.
„Lieber Onkel, ich gratuliere. Aber Du irrst Dich, ich bin nicht hergekommen, um mir bei Adelheid einen Korb zu holen, ich brauche Deine Hilfe. Für heute handelt sich’s nur um eine verhältnismäßig geringfügige Summe, aber ich habe eine schwere Zeit vor mir, in der ich selbst noch nichts verdienen kann, und da wäre es mir eine rechte Beruhigung, wenn ich auf Deinen Beistand zählen könnte.“
Onkel Reineke zog die Augenbrauen in die Höhe, so daß die fuchsige Perücke sich an der Stirn leicht anhob.
„Ach, sieh mal an! Und ich hatte immer geglaubt, Du machtest in den Spekulationen mit dem Vermögen Deiner Schwester geradezu glänzende Geschäfte?!“
Da stöhnte Heino auf. Jetzt wußte er, wer bei seiner Mutter den heimtückischen Angeber gespielt hatte, aber er bekämpfte wacker den aufsteigenden Zorn.
„Onkel, höhn’ mich nicht noch dazu, Du weißt nicht, wie es in mir aussieht! Und sag’ ja oder nein. Mit Vorwürfen bin ich von mir selbst aus schon reichlich versehen!“