„Sollen diese Ausführungen für mich vielleicht eine beleidigende Spitze enthalten?“

Heino von Bergkem klappte die Hacken zusammen und neigte verbindlich seinen langen Oberkörper.

„Durchaus nicht, Herr Kollege, denn ich nehme natürlich an, daß Sie sich Ihrer Abstammung ebensowenig schämen wie ich mich der meinigen. Außerdem aber hatte ich mir vorhin erlaubt, Sie ein ‚hochgeschätztes Mitglied unserer Tafelrunde‘ zu nennen und, da diese Bezeichnung nicht ironisch gemeint war, dürfte mir wohl jede beleidigende Absicht fern gelegen haben.“

Der Referendarius Meyer gab sich mit dieser Erklärung zufrieden, der Herr Vorsitzende aber nicht. Er bemerkte, er wüßte wohl, gegen wen sich diese rabulistischen Fechterkunststücke des Freiherrn von Bergkem richteten. Wenn man mit seiner Führung der Präsidialgeschäfte unzufrieden sein sollte, wäre er gerne bereit, seinen Platz einem Würdigeren abzutreten. Im übrigen aber müßte er sich persönlich sehr wundern, daß Herr von Bergkem sich hier so nachdrücklich für jemand ins Zeug legte, von dem es doch jetzt schon ziemlich feststände, daß er nie und nimmermehr in den Kreis der Masovia aufgenommen würde.

Heino erwiderte darauf mit liebenswürdigem Lächeln, das hätten die Bergkems ungefähr seit der Deutschordenszeit so an sich, für Leute vom Leder zu ziehen, die sich selbst nicht zur Wehr setzen könnten.

Der Herr Provisor replizierte gereizt, er müßte sich jede Belehrung in Fragen eines korrekten Benehmens verbitten.

Heino bemerkte dazu verbindlich, nichts hätte ihm ferner gelegen als ein derartiger Versuch am untauglichen Objekt, und der Krach war fertig. Der Herr Provisor fuchtelte erregt mit dem Arm in der Luft:

„Dafür werden Sie mir Genugtuung geben, Herr von Bergkem!“

„Mit Vergnügen!“

„Außerdem lege ich meine Funktion als Vorsitzender nieder. Ich habe keine Lust, mich hier länger von Ihnen anulken zu lassen!“