„Schade,“ sagte der lange Heino gleichmütig, „Sie bringen mich dadurch um eine Beschäftigung, die mir im Laufe der Zeit recht lieb geworden war!“
Der Herr Provisor sah seinen Gegner vernichtend an.
„Das war Nachtusche, Herr von Bergkem! Sie werden wissen, was Ihnen danach bevorsteht.“
„O ja, aus ähnlichen Vorkommnissen ist mir’s so dunkel erinnerlich. Ich muß diese Nachtusche nicht nur revozieren, sondern auch feierlichst deprezieren, ehe ich Sie morgen früh im Zweikampfe vom Leben zum Tode befördere!“
Herr Kellmigkeit schnappte ein paarmal nach Luft.
„Abwarten, ob’s nicht vielleicht umgekehrt kommt! Vorläufig aber befinden Sie sich in einem Zustande, in dem honorige Menschen anständigerweise mit Ihnen nicht verkehren können. Ich hoffe daher, die anderen Herren werden mit mir daraus die einzig mögliche Konsequenz ziehen!“ Sprach’s und verließ dröhnenden Schrittes das Lokal.
Die Zurückgebliebenen saßen unschlüssig da, nur der Referendarius Meyer erhob sich, ein wenig zögernd, und langte nach seinem an der Wand hängenden Strohhütchen. Da reckte sich der lange Heino zu seiner ganzen Größe heraus, auf seiner weißen Stirn zeichnete sich eine feine blaue Ader ab.
„Einen Augenblick, Herr Kollege! Bis jetzt war es leidlicher Spaß, ich würde es aufs lebhafteste bedauern, wenn’s mit einem Male blutiger Ernst werden sollte. Ich muß Sie daher ersuchen, Herrn Kellmigkeit nicht zu folgen, sondern für heute mit meiner kümmerlichen Gesellschaft vorlieb zu nehmen. Ich bitte Sie, mit mir auf das Wohl unseres früheren Herrn Vorsitzenden ein Glas Sekt zu trinken.“
Der Referendarius Meyer nahm seinen Platz wieder ein und zwang sich zu einem Lächeln.
„Zu komisch mit Ihnen, Herr Kollege! Man weiß nie, meinen Sie’s wirklich ernsthaft oder machen Sie sich nur über alles und jedes lustig!“