Der Geheimrat lachte laut auf.

„Ausgezeichnet, und ich sehe, wir werden uns verstehen. Nun nichts weiter als eine recht höfliche Schlußwendung ... Ihrer sehr geschätzten Rückäußerung gern entgegensehend, zeichne mit vorzüglicher Hochachtung ... Was gibt’s?“ unterbrach er sich selbst und hob den Kopf, denn der Bureaudiener war mit einem diskreten Räuspern in der Tür erschienen.

„Herr Geheimrat, die gnädige Frau sind draußen und wünschen den Herrn Geheimrat zu sprechen.“

„Bedaure, ich bin sehr beschäftigt.“

„Die gnädige Frau haben aber gesagt, es wäre sehr dringend.“

Der alte Herr seufzte leicht auf.

„Also ich lasse bitten!“

Heino hatte sich erhoben, ging ein wenig zur Seite und sah eine Dame das Allerheiligste des Privatkontors betreten, die ihm merkwürdig bekannt vorkam, ohne daß er sich im Augenblick zu entsinnen vermochte, wo und wann er sie getroffen hatte.

Sie mochte kaum älter als fünfundvierzig Jahre sein, sah noch immer auffallend hübsch aus und trug einen kostbaren Zobelpelz, der Heino ebenfalls sehr bekannt vorkam. Und mit einem Male wußte er, wen er vor sich hatte. Da trat er noch ein paar Schritte zurück, bis er im Schatten der breiten Fenstervorhänge leidliche Deckung fand, denn er wollte eine, womöglich dramatisch bewegte Wiedererkennungsszene vermeiden, ehe er dem alten Herrn nicht mit ein paar Worten erklärt hatte, daß er unwissentlich seiner Gattin in einem unangenehmen Abenteuer Beistand geleistet hatte.

Der Frau Geheimrätin folgten zwei jüngere Damen auf dem Fuße, offenbar die beiden Töchter. Die Kleinere blond und mit einem nichtssagenden, gutmütigen Gesichte, die Größere aber brünett, eine schlanke, biegsame Figur mit einem geradezu frappierend schönen Kopfe. Ein zierliches Näschen über einem vollen roten Munde, große dunkle Augen mit schweren Wimpern und über einer hohen weißen Stirn bläulich-schwarz schimmerndes Haar.