Das Reizvollste aber dünkte Heino ein Zug leiser Schwermut, der sich über das herrliche Gesicht breitete, und unwillkürlich sog er das Bild mit durstigen Augen ein. Gleich danach aber flog ihm ein lustiger Gedanke durch den Kopf, und er mußte wieder lächeln. Ja, wenn die Schwarze da mit in dem Auto gesessen hätte, wäre er wohl kaum von dannen gegangen, ohne auf der Stelle gebührenden Dank zu heischen! ...
Die Frau Geheimrätin war ohne Begrüßung nähergetreten.
„Sag’ mal, Brenitz, was soll das eigentlich bedeuten? Ich vergehe fast vor Aufregung, und Du gibst mir keine Nachricht? Eben telephoniert mir Dein Chauffeur, schon vor einer Stunde hätte er „ihn“ hier hineingehen sehen, und Du rufst mich nicht an?“
„Entschuldige, liebe Ada,“ erwiderte der alte Herr etwas kleinlaut, „aber ich habe keine Ahnung, was Du meinst!“
„Geh, verstell Dich doch nicht, Du weißt es sehr gut. Den heldenmütigen jungen Mann, der uns vor vierzehn Tagen im Tiergarten“ ...
Die Frau Geheimrätin brach ab, denn plötzlich bemerkte sie, daß noch jemand außer ihrem Gatten im Zimmer war. Und Heino trat hervor, machte seine korrekteste Verneigung.
„Verzeihung, gnädigste Frau, wenn ich jetzt erst nachhole, was vielleicht früher meine Pflicht gewesen wäre. Ich heiße Heino Bergkem, muß aber zu meiner Schande gestehen, es war mir bisher unbekannt, daß man hierzulande sich vorstellen muß, wenn man einer Dame einen zufällig aus der Hand geglittenen Schirm aufhebt. Mehr war’s wirklich nicht wert, was ich damals im Tiergarten für Sie tun durfte.“
Die Frau Geheimrätin stand ein wenig perplex da, der alte Herr aber schmunzelte. Im ersten Augenblicke, als der Herr von Bergkem so plötzlich, wie auf Verabredung hervortrat, war er mißtrauisch geworden, denn er kannte seine Gattin und wußte aus Erfahrung, daß sie in abgekarteten Intrigenspielen groß war. Gleich danach aber sah er, daß es diesmal ehrlich zuging, denn die „geborene Guggenheimer“ machte wirklich ein verlegenes Gesicht. Und deutlich las er darauf die Enttäuschung, die sie bei dem anscheinend bürgerlichen Namen des „Lebensretters“ empfand.
Nun aber konnte es sich der Geheimrat nicht mehr versagen, ihr einen kleinen Hieb zu versetzen.
„Siehst Du, Ada, was habe ich Dir gesagt? Der Herr Baron macht sich nichts aus Deinen Danksagungen! Und jetzt gestatte, daß ich richtig vorstelle: Meine Frau nebst Töchtern — Herr Edler und Freier Herr von Bergkem-Przygorowski aus dem Hause Bergheim. Seit heute vormittag aber Angehöriger des Hauses Brenitz. Wir wollen hoffen, daß es beiden Häusern zum Segen gereicht.“