Gaston ließ die Hand sinken und starrte in das flackernde und zuckende Licht, bis ihn die Augen schmerzten.
Fürchterlich war das alles. Aber er mußte zu einem Entschlusse kommen. Das hier war jetzt die Stelle, wo der Weg sich gabelte.
Er erhob sich von dem Bettrande, auf dem er sich zum Lesen niedergelassen hatte, nahm das Licht und ging zu dem Tische hinüber. Einen Augenblick der Schwäche hatte er noch, dann biß er die Zähne zusammen und schrieb ohne Besinnen:
»Liebe gnädige Frau!
Es ist ganz ausgeschlossen, daß ich jetzt Urlaub nehmen kann, um zu Ihnen zu kommen. Ich könnte es auch nicht, selbst wenn ich ganz frei wäre. Ich muß Ihnen ein Geständnis machen, das Sie betrüben wird und mir die Schamröte ins Gesicht treibt. Ich habe Sie zweimal belogen, und zum Teil mich dazu. Jetzt, wo ich nicht mehr in Ihrer Nähe bin, erscheint mir mein Gefühl nicht stark genug, um darauf unsere Zukunft zu gründen. Ich müßte um Sie meine militärische Karriere aufgeben, und das kann ich nicht.
Es tut mir in der Seele weh, daß ich eine liebenswerte Frau so kränken muß, aber es geht nicht anders, wenn ich wahrhaftig bleiben will. Gegen Sie und mich. Also bitte ich Sie, mir mein Wort zurückzugeben und mich zu vergessen.
Gaston Baron Foucar von Kerdesac.«
Die Hand bebte ihm, er schrieb seinen Namen nicht so sicher wie sonst. Und als er den fertigen Brief durchlas, hätte er ihn am liebsten wieder zerrissen. Erschrecklich banal war das alles, aber was sollte er viel anders schreiben? Etwa, daß er schon nach der Nacht in dem Ballokal zur Besinnung gekommen wäre? Oder daß er am Tage darauf aus Mitleid und mit erregten Sinnen einen Meineid geschworen hätte? Oder gar schließlich, daß in ihrer Vergangenheit etwas wäre, über das kein Mann hinweg könnte? Das ging nicht an. Das einzige wäre gewesen, mit der Absendung dieses brutalen Briefes noch ein paar Tage zu warten, bis sie sich nach den entsetzlichen Geschehnissen ein wenig beruhigt hätte. Dann aber schickte er den Brief da vielleicht überhaupt nicht mehr fort, ergab sich mit einer Art von Fatalismus in sein selbstverschuldetes Schicksal.
Sein Blick fiel auf eine Stelle in dem anderen Schreiben, das vor ihm lag. »Der gnädige Herr ist gestorben, ohne daß er sein Testament hat ändern können. Josepha erbt sein ganzes Vermögen.« Der Ekel würgte ihn am Halse.
Er schloß seinen Brief in ein Kuvert, schrieb die Adresse und trug ihn selbst nach dem nahen Bahnhof hinüber, steckte ihn in den blauen Postkasten.