»Was ich schon immer fragen wollte,« sagte der Rittmeister, »wie geht es eigentlich Ihrem Herrn Onkel in Kalinzinnen? Ich fuhr am Tage meiner Ankunft mit ihm in der Bahn zusammen, und wenn ich mich recht entsinne, war damals von einer Operation die Rede, die er glücklich überstanden hatte. Der alte Herr, glaube ich, war mit dem Pferde gestürzt?«

»Ganz recht,« versetzte Karl von Gorski, »aber es geht ihm ausgezeichnet. Im Herbst hofft er schon wieder unsere Jagden mitreiten zu können.«

»Freut mich sehr! Ihr spezielles Wohlsein, lieber Herr von Gorski.«

»Löffle mich gehorsamst, Herr Rittmeister.« Der Kleine leerte tapfer sein Glas, hüllte sich danach aber in Schweigen. Der andere konnte ja anfangen, wenn er mehr aus Kalinzinnen zu erfahren wünschte.

»Ich finde, dieser Mosel schmeckt ein wenig säuerlich,« sagte Herr von Foucar nach einer Pause. Und er erwiderte:

»Mit allem schuldigen Dank für die gütige Einladung, aber ich bin der Ansicht, man müßte den Kasinovorstand wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen belangen, weil er dieses Getränk mit 'Josephshöfer' bezeichnet. Vielleicht aber hat bloß eine Verwechslung stattgefunden. Wir haben nämlich auch ein Faß Essig im Keller liegen, da machen wir wahrscheinlich mit Mosel den Salat an, während diese Flüssigkeit hier sich sehr viel besser eignen würde zur Vermischung mit Oel und Mostrich.«

Gaston lachte auf.

»Weshalb haben Sie das nicht gleich gesagt? Wollen wir ein Glas Sekt trinken?«

Karl von Gorski klappte die Hacken zusammen.

»Mein angeborenes Disziplingefühl gestattet mir nicht, eine solche Anfrage aus dem Munde eines Vorgesetzten zu verneinen. Und da ich persönlich zudem auf dem Standpunkte stehe, der Sekt müßte das Nationalgetränk des preußischen Leutnants werden, namentlich, wenn er eingeladen wird ...« Und er beschloß in seinem milder gestimmten Herzen, sich zu revanchieren. Dem anderen da die Frage zu ersparen, zu der er sich anscheinend nur schwer entschließen konnte.