»Zur Attacke Lanzen gefällt ... Marsch, Marsch, Hurra!« ... Wie eine Windsbraut fegte die Schwadron den sanftgeneigten Hang hinan, der Artillerie in die Flanke, mächtig erklang das Hurragebrüll aus hundert rauhen Kehlen. Der Rittmeister von Foucar sprengte auf die Kuppe, winkte mit dem Säbel in einer Art von Siegerfreude nach dem Tal hinab, zum Zeichen, daß das verwegene Reiterstücklein gelungen war ...

Von der russischen Seite des Hügels kam ein fremdartig klingendes Hornsignal, der Boden erdröhnte unter Rossehufen. Gaston wandte den Kopf, eine Schwadron russischer Dragoner kam in Linie den Hang hinaufgesprengt, die Lanzen gefällt. Dreißig Schritt vor der Grenze hob der Führer den Säbel: »Stoi!« Die Dragoner fielen in Trab, um in Linie zu halten. Der linke Flügelunteroffizier des ersten Zuges schien jedoch die Herrschaft über seinen Gaul verloren zu haben, jagte weiter, über die Grenze. Der preußische Infanterieunteroffizier, der die Flaggen kommandierte, ein Koloß von sechs Fuß Größe, warf sich dem Gaul entgegen und riß ihn am Zügel in die Knie, so daß der Reiter kopfüber aus dem Sattel flog.

Es war einer jener Augenblicke, in denen den Zuschauern das Blut in den Adern stillstand. Ein kleiner Funke sprang auf in einer mit Elektrizität überladenen Atmosphäre. Wenn man ihn nicht mit besonnener Hand dämpfte, konnte es unabsehbares Unheil geben. Aber es war eine höllische Schwierigkeit dabei. Man stand in diesem Augenblicke vor dem ganzen Vaterlande, durfte gerechtem Stolze nichts vergeben.

Der Führer der Grajewoer Dragoner schrie mit zornrotem Kopfe etwas auf russisch hinüber. Gaston verstand genug, um zu wissen, daß der da drüben ungestüm und mit wenig gewählten Worten die Freigabe seines auf feindliches Gebiet geratenen Mannes forderte. Er wandte sich im Sattel, seine Stimme klang ruhig: »Oberleutnant Gusovius!«

»Herr Rittmeister?«

»Lassen Sie scharf laden!«

»Zu Befehl! ...«

Das war ein Bluff, seine Kerls führten nur Platzpatronen bei sich. Aber er wirkte. Der Offizier auf der anderen Seite verstummte plötzlich, als die Karabinerschlösser rasselten.

Gaston ritt hart an die Grenze, salutierte mit dem Degen.

»Herr Kamerad, ich bitte um die Mitteilung Ihrer Wünsche. Nur ich muß Sie darauf aufmerksam machen, auf deutschem Boden verstehe ich nur Deutsch!«