»Mein Name ist Gaston Baron Foucar von Kerdesac.«

Der andere stutzte.

»Franzose?«

»Nein, Deutscher! Auf Wiedersehen, Herr Kamerad.«

Er salutierte und ließ seine Schwadron kehrtmachen, in Zügen den Weg zurückreiten im Schritt, den sie gekommen war. Und er lächelte noch, als er schon wieder an der Spitze seiner Truppe ritt.

Der Russe da drüben war von Herkunft ein Deutscher. Ihm selbst floß französisches Blut in den Adern, und er führte eine deutsche Schwadron. Im Ernstfalle hätte er sie auch gegen die andere Seite geführt, ohne Wimperzucken. Gegen das Land, das seine Vorfahren vor hundert Jahren noch Vaterland genannt hatten. Was war da der Name? Wie man fühlte, war alles. Und in ernsterem Erwägen sprang ihn die Frage an, weshalb wohl zwischen den Völkern der alten Welt, die doch so viel Gemeinsames hatten an Blut und Kultur, diese feindselige Spannung entstanden war. Nur, weil die Franzosen den Verlust zweier Provinzen nicht verschmerzen konnten, die sie einstmals doch selbst geraubt hatten? Oder weil das große Raufen anhub um das letzte Stück Erde, das noch zu verteilen war? Oder weil ein Wettlaufen begonnen hatte, welche Nation am meisten Baumwolle, Kanonen und Maschinen verkaufte? Oder weil in dem ewigen Kreislauf des Geschehens nach dem verschwommenen Weltbürgertum vergangener Jahrhunderte eine Periode aufkam, voll von Egoismus? Müßig war es, darüber zu grübeln. Vielleicht lag die Lösung in einer Art von Eifersucht, welche Nation in Zukunft dazu berufen wäre, der Welt den Stempel ihres Wesens aufzudrücken. Das war ein hohes Ziel. Nur man konnte sich vorstellen, daß es auch im Frieden zu erreichen war, ohne daß Hekatomben von Menschen hingeschlachtet wurden ...

Die Schwadron trabte in der breiten Schlucht zurück, die ihr den gedeckten Anritt ermöglicht hatte. Karl von Gorski spornte seinen hochbeinigen Trakehner vor, lenkte ihn neben den Fuchswallach seines Schwadronschefs. Er zitterte vor Begeisterung.

»Verzeihen, Herr Rittmeister – es ist gegen alle Kleiderordnung, ich weiß es, aber ich kann mir nicht helfen, und wenn ich dafür eingesperrt werde.« Er hob den rechten Arm, rief mit heller Stimme: »Dragoner! Unser Herr Rittmeister Baron von Foucar, unser Führer für Tod und Leben ...«

Gaston fuhr dazwischen: »Leutnant von Gorski, sind Sie des Teufels?« Aber der Kleine ließ sich nicht beirren, schrie weiter: »unser Herr Rittmeister hurra, hurra, hurra!«

In den staub- und schweißbedeckten Gesichtern wurden die Augen blank, dreimal rollte der Ruf gleich krachenden Salven durch die Mittagsstille und brach sich im Widerhall an den Wänden der Talschlucht.