»Hat Dein Bruder Hermann nicht meinen Brief bekommen?«

»Allerdings. Aber wäre es nicht besser, wenn wir die Erörterung darüber ...«

»Ich habe vor keinem Menschen 'was zu verbergen. Und meinem Brief nichts hinzuzufügen. Er war doch deutlich genug?«

»Nicht ganz. Es fehlte jeder vernünftige Grund. Auf ein paar unbewiesene Klatschereien hin oder aus einer augenblicklichen Laune macht man einen anständigen Menschen doch hier nicht vor aller Welt zum Kindergespött.«

Annemarie lachte bitter auf.

»Ach, darum geht es Euch? Und 'Laune' nennst Du das, wenn ich mich nächtelang gewunden habe vor Qual und Scham? Als ich die Wahrheit erfahren hatte ... Und jetzt sag' Deinem Bruder, es ist vorbei. Ich habe mich eben mit Herrn von Foucar verlobt. Weil ich ihn achte und liebe. Deinen Bruder aber ...«

Frau von Lüttritz schrie auf.

»Um Gottes willen, Kind, bedenk', was Du sprichst!«

Annemarie biß einen Augenblick lang die Zähne aufeinander, dann machte sie eine heftige Bewegung.

»Er hätte mich nicht herausfordern sollen!« Und vor Erregung bebend wandte sie sich zu dem jungen Offizier.