»Grüß' Deinen Bruder, die Annemarie von Gorski läßt sich keine Kandaren anlegen! Und er soll seinem Schöpfer danken, daß ich ihn nur verachte. Wenn ich ihn lieb gehabt hätte, hätte ich ihn mit der Reitpeitsche vom Hofe gejagt für den Schimpf, den er mir angetan hat. Während er bei mir um das Jawort bettelte, dachte er an eine andere. Und an was für eine! An eine, zu der man im Dunkeln schleicht, und der hat er dasselbe geschworen wie mir.«

Die Stimme brach ihr, sie tastete mit der Hand rückwärts. Gaston trat hinzu und fing sie auf.

Der jüngere Brinckenwurff zuckte mit den Achseln. Sein Gesicht blieb ruhig, nur die Stimme flatterte ihm ein wenig.

»Das sind unbewiesene Klatschereien, ich wiederhole es nachdrücklich. Mit Dir, Annemarie, kann sich mein Bruder jetzt wohl nicht mehr auseinandersetzen. Aber es sind ja andere vorhanden, die Deine Worte vertreten werden.«

Gaston hob die Hand.

»Das letzte war überflüssig, Herr von Brinckenwurff. Es dürfte sich empfehlen, daß Sie meiner Braut weitere Betrachtungen über die Empfindungen Ihres Herrn Bruders ersparen. Wir beide werden uns an anderem Orte aussprechen.«

Der Lange klappte die sporenbewehrten Absätze zusammen.

»Sehr wohl, Herr Rittmeister! Darf ich fragen, wann Herr Rittmeister heute nachmittag für den Beauftragten meines Bruders zu sprechen sein werden?«

»Zwischen fünf und sechs. Bis dahin habe ich Dienst!«

»Sehr wohl, Herr Rittmeister. Gnädige Frau, ich bin todunglücklich, daß ich in Ihr friedliches Haus eine solche Aufregung gebracht habe – es war nicht meine Schuld. Empfehle mich ganz gehorsamst.«