»Da ist nicht viel zu erzählen. Heute früh bekam ich den Absagebrief. Ich wüßte schon weshalb – keine Ahnung hatte ich! Ich telephonier' bei Euch an, der Diener sagt mir, das gnädige Fräulein wär' in die Stadt gefahren, wahrscheinlich zu ihrer Freundin Lüttritz. Ich lauer' meinen Bruder Adolf ab, der auf Felddienstübung war, und lass' sie stellen. Da gibt es eine dramatische Szene. Allerhand Zwischenträgereien sind am Werk gewesen. Sie sagt, sie müßte mich verachten, und wirft sich diesem Herrn von Foucar an den Hals. Als seine Braut! Mein Bruder Adolf fand darauf, Gott sei Dank, a tempo die passende Antwort. Aber ich gedenke außer diesem interessanten Herrn Rittmeister noch einem anderen an den Kragen zu fahren. Diesem frechen Lausbub, Deinem Neffen Karl, mit seiner Kodderschnauze! Der hat das ganze Unglück angerichtet – ich kann ihn, Gott sei Dank, auf einem Wort festnageln, das er nur allein der Annemieze hinterbracht hat!«

Herr von Gorski hob die Hand.

»Was war das für ein Wort?«

»Ach Gott, was man so in gereizter Stimmung hinspricht, wenn man dazu ein paar Schoppen im Leibe hat. Und noch außerdem gehänselt wird, von so einem kleinen Frechdachs. Da habe ich gesagt, ich würde ... ja also, ich würde die Annemarie mir schon bändigen. Das hat er ihr hinterbracht.«

Der alte Herr ritt eine Weile lang schweigend, in Nachdenken versunken. Endlich – sie bogen in die lange Allee, die vom Kätnerdorfe zum Schlosse führte – fing er wieder an zu sprechen.

»Das mit den Forderungen überlegst Du Dir wohl noch! In Anbetracht dessen, daß damit jede – vielleicht noch mögliche – Einigung im Guten ausgeschlossen wäre. Ich möchte meine Tochter nicht im Mittelpunkt eines Skandals sehen. Das mit diesem Herrn von Foucar hoffe ich ihr auszutreiben. Das ist vielleicht nur eine vorübergehende Laune. Und wenn Du gesonnen bist, an Deiner Werbung festzuhalten ...«

»Selbstverständlich, lieber Onkel Gorski! Jetzt, wo ich sie verlieren soll, merke ich erst eigentlich, wie lieb ich sie habe. Weißt Du, vorher nahm man das als eine Art von Selbstverständlichkeit hin, aber jetzt bäumt sich mir da drinnen alles auf, wenn ich daran denke, daß vielleicht ein anderer – na schön ... da nützt kein Beschwichtigen! Wenn die Sache nicht restlos aus der Welt geschafft wird, hat dieser interessante Herr nur noch einen Tag zu leben.«

»Lieber Hermann,« sagte der alte Herr, »das sind frivole Redensarten! Mir selbst würde ein Lieblingswunsch zerstört, wenn meine Tochter Dich nicht heiraten würde. Aber sie ist ein ernsthafter Mensch. Ich kann mir kaum vorstellen, daß sie wegen eines einzigen, unbedachten Wortes ...«

Hermann von Brinckenwurff machte sich etwas an dem Zaumzeug seines Gauls zu schaffen.

»Gott, lieber Onkel, es wird viel geklatscht. Kleinigkeiten werden zu Riesenverbrechen aufgeblasen. Ich bin nicht anders als andere junge Leute von meinem Kaliber. Und den Rittmeister von Lüttritz lang' ich mir auch einmal bei Gelegenheit. Weil seine Frau zu dieser Kuppelei die Hand geboten hat.«