Gaston wollte vortreten mit einem heftigen Wort auf den Lippen. Der alte Herr aber hob die Hand.
»Hermann, ich frage Dich auf Ehre und Gewissen als ein Edelmann den andern: Was meine Tochter da eben sagte, ist das wahr?«
Der andere blickte trotzig in die Höhe.
»Wozu soll ich's leugnen – etwas ist schon dran! Nur die Geschichte ist maßlos übertrieben natürlich. Ich weise es ganz energisch zurück, daß ich deswegen auf ein Armesünderbänkchen soll. Ich lebe, wie es mir paßt. Und habt Euch bloß um Gottes willen nicht so! Schließlich bin ich doch ein Brinckenwurff! Wenn ich Deiner Tochter die Ehre antue, um sie zu freien, soll sie froh sein, statt hinter mir her zu spionieren!«
Aus der Brust des alten Herrn kam ein Stöhnen.
»O Du ... jetzt habe ich Dich auch erkannt! Aber eins sage ich Dir: Wenn Du nach denen suchst, die meine Tochter vertreten, zuerst stehe ich da und lass' mir dieses Recht nicht nehmen! Hörst Du, zuerst! Halt' Dich zu Hause, damit Dich meine Zeugen treffen! Und jetzt marsch, fort von meinem Hof!«
Hermann von Brinckenwurff verneigte sich im Sattel.
»Das letzte hättest Du Dir sparen können! Und Gott sei davor, daß ich mich an Deinem weißen Haupt vergreife. Es sind Jüngere da, an die ich mich halten kann!« Er wandte seinen Gaul mit einem Schenkeldruck, ritt in gestrecktem Galopp die lange Allee zurück, die über das Kalinzinner Kätnerdorf nach Orlowen führte.
Annemarie warf sich mit einem Aufschluchzen an die Brust ihres Vaters.
»Um Gottes willen, Papa, das leide ich nicht, daß Du ... Und was heißt das, daß er sich gewissermaßen herabgelassen hätte, wenn er um mich warb?«