»Herr Hauptmann von Foucar – Fräulein Magda Neudecker! Sie werden viele Berührungspunkte haben, meine Herrschaften, in der beiderseitigen ernsten Lebensauffassung ...«
Frau Josepha neigte lächelnd den Kopf mit den schweren Flechten und dem funkelnden Diadem und schritt zu der nächsten Gruppe. Die junge Dame trat einen Schritt näher und kniff die kurzsichtigen Augen zusammen.
»Wie ich sehe, Herr Hauptmann, gehören Sie zum Generalstab, nach Ihrer Uniform zu schließen. Ja, da wird gearbeitet, das weiß ich von einem Vetter, einem Grafen Krottenburg – er hat eine Cousine von mir geheiratet. Wissen Sie, von der 'anderen' Linie der Neudecker ... wenn Sie in der Berliner Gesellschaft ein bißchen Bescheid wissen, werden Sie sich auskennen.«
»Keine Ahnung, mein gnädiges Fräulein ...«
»So, nicht? Na, mir widerstrebt es ... lassen Sie sich das von unserer Wirtin erklären, gelegentlich ... nur so viel, mein Vetter Krottenburg hatte eine kleine Enttäuschung zu verzeichnen infolge einer falschen Auskunft – es war wieder einmal eine Verwechslung passiert mit der anderen Neudeckerschen Linie ... aber ja, was die ernsthafte Lebensauffassung anbetrifft, da finden Sie in mir eine kongeniale Seele.«
So sprach sie noch eine Weile lang selbstgefällig fort, ihre Zunge lief wie das Rad eines Scherenschleifers, und Gaston fühlte ordentlich, wie sie ihn dabei mit prüfenden Blicken betrachtete. Ob es sich wohl lohnte, vom Standpunkt einer Millionenerbin aus, diesen neuen Bewerber, den man ihr vorgeführt hatte, ein wenig näher kennen zu lernen.
Als er sich nach schroffer Verneigung umwandte und zum Ausgang schritt, begegnete ihm Frau Josepha mit einem, wie ihm scheinen wollte, spitzbübischen Lächeln in den Augenwinkeln.
»Was denn? Doch nicht etwa schon fort? Das Auto, das Sie heimbringen soll, ist noch nicht vorgefahren. Es fehlt noch eine halbe Stunde – genau auf neun hab' ich's befohlen. Und ich hab' Sie noch was zu fragen.«
Sie deutete auf eine offenstehende Tür, die zu einem hell erleuchteten, saalartigen Zimmer führte. Er neigte den Kopf und folgte. Was lag schließlich an der halben Stunde?
In einer Ecke stand ein runder Pokertisch, von einer großen Hängelampe bestrahlt. Die sieben Plätze waren besetzt, hinter den Stühlen standen ein paar schweigsame Zuschauer. Ein klapperndes Geräusch von Zeit zu Zeit, wenn die beinernen Chips in die Mittelschale flogen, die notwendigen Erklärungen im Spiel wurden nur halblaut gegeben. Einer der Herren wandte den Kopf, eine Hakennase stand über einem Paar flackernder Augen.